Ecuador / Politik / Wirtschaft

Neue Vorwürfe in Ecuador gegen Noboa im Fall Villavicencio

Kriminelle beschuldigen Noboa des Auftragsmordes an ehemaligen Präsidentschaftskandidat. Aktuell keine Beweise, aber Hinweise auf Verstrickung ins kriminelle Milieu

Quito. Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Politikers Fernando Villavicencio sind die Hintergründe der Tat weiterhin unbekannt. Der ehemalige Journalist war Präsidentschaftskandidat und wurde nur wenige Tage vor der Wahl am 9. August 2023 ermordet (amerika21 berichtete). Für das Verbrechen wurde die Gruppe "Los Lobos" (Die Wölfe) verantwortlich gemacht, die als die mächtigste kriminelle Bande Ecuadors gilt.

Mit Wilmer Chavarría alias "Pipo" meldete sich Ende Februar der mutmaßliche Anführer von "Los Lobos" zum Attentat zu Wort. Er wurde im November 2025 von spanischen Behörden am Flughafen in Málaga festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Im Rahmen einer Anhörung zu seiner möglichen Auslieferung nach Ecuador oder in die USA bestritt Pipo eine Beteiligung der "Los Lobos" an dem Verbrechen. Vielmehr beschuldigte er den amtierenden Präsidenten Daniel Noboa. Dieser habe den Mord aus Angst vor einer Wahlniederlage angeordnet. Pipo beruft sich dabei auf eine Person aus dem Umfeld von Innenminister John Reimberg, die ihn informiert haben soll. Belege für seine Anschuldigung legte er nicht vor.

Chavarría wehrt sich gegen seine Auslieferung nach Ecuador. Eine Verlegung in das Hochsicherheitsgefängnis "El Encuentro" käme einem Todesurteil gleich. Zudem soll Reimberg ihn über einen Boten im Gefängnis in Málaga bedroht haben. Ziel von Minister und Präsident sei es, ihn "aus dem Verkehr zu ziehen", da sie ihn als Konkurrenten auf dem Drogenmarkt betrachten, sagte Chavarría.

Das Ziel einer Auslieferung in die USA sei allein, dass er gegen den ehemaligen Präsidenten Rafael Correa aussagen solle. Zu diesem habe er aber keine Verbindungen und kenne ihn nicht.

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Innenminister Reimberg bezeichnete die Vorwürfe des Bandenanführers als "absurd": "Sie haben panische Angst vor der Auslieferung und vor dem Gefängnis von El Encuentro und davor, dass sie JETZT WIRKLICH für ihre Verbrechen bezahlen müssen. Sie sind zu den schmutzigsten Lügen fähig, nur um sich ihrer Verantwortung zu entziehen", schrieb Reimberg auf X.

Für Villavicencios Tochter Amanda sind die Anschuldigungen von Pipo ein Akt der Verzweiflung: "Es gibt eine Untersuchung, die seit mehr als zwei Jahren läuft (…). Es gibt verurteilte Täter, die zu Los Lobos gehören". Villavicencios Witwe Verónica Sarauz forderte über ihre Anwältin Nathaly Salazar hingegen, dass die Aussage in die Ermittlungen aufgenommen werde, "auch angesichts des Risikos, dem diese Person aufgrund der von ihr gemachten Angaben ausgesetzt ist".

Trotz fehlender konkreter Beweise mehren sich die Stimmen aus dem kriminellen Milieu, die über eine Verbindung zwischen Präsident Noboa und dem organisierten Verbrechen berichten. So zuletzt vom Anführer von "Los Tiguerones", William Alcívar alias "Negro Willy", gegenüber der spanischen Zeitung El Mundo. Gemeinsam mit anderen kriminellen Organisationen habe seine Gruppe den Wahlkampf von Noboa im Jahr 2023 unterstützt. "Wir, die wir eine Macht auf der Straße, in den Vierteln und in den Gefängnissen sind, haben alles in Bewegung gesetzt, damit die Leute für ihn stimmen", erklärte er. Nach Noboas Amtsantritt sei es jedoch zum Bruch gekommen. In diesem Zusammenhang erhob Alcívar neue Vorwürfe gegen den Präsidenten bezüglich des Drogenhandels und -exports nach Europa. Noboa selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, der Innenminister Reimberg bestritt sie.

Vor dem Hintergrund der Aussagen der beiden Kriminellen forderte die Abgeordnete der oppositionellen Bürgerrevolution, Mónica Palacios, Generalstaatsanwalt Carlos Alarcón auf, Ermittlungen gegen Noboa einzuleiten und mit Hausdurchsuchungen zu beginnen.

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