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Erster Landeinsatz von US-Kommandos in Ecuador

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Mitglieder der ecuadorianischen 9. Brigade der Spezialkräfte überreichen Angehörigen der Kentucky Nationalgarde die ecuadorianische Flagge
Mitglieder der ecuadorianischen 9. Brigade der Spezialkräfte überreichen Angehörigen der Kentucky Nationalgarde die ecuadorianische Flagge

Quito. US-Truppen haben ecuadorianische Streitkräfte bei einem gemeinsamen Bodeneinsatz gegen ein mutmaßliches Drogenhandelszentrum an der Küste des südamerikanischen Landes begleitet. Die Operation mit dem Namen "Lanza Marina" zielte auf einen mutmaßlichen Ausgangspunkt für Schnellboote der als Terrororganisation eingestuften Gruppe Los Choneros ab. Dies gaben zwei US-Beamte anonym gegenüber CBS News bekannt. Die amerikanischen Kommandos hätten dabei beratende Funktionen innegehabt und Planung, Geheimdienstinformationen sowie operative Unterstützung geliefert, während die ecuadorianischen Streitkräfte im Gelände aktiv waren.

Die Mission markiert den ersten Landeinsatz im Rahmen der sogenannten Drogenbekämpfungsstrategie der Trump-Regierung in Lateinamerika. Er kann als Teil von umfassenden Bemühungen gesehen werden, gegen Schmugglernetzwerke vorzugehen, die darauf angewiesen sind, schnelle Seewege zu benutzen. Der genaue Standort des Geländes wurde nicht bekanntgegeben. Wenige Tage vor der Razzia traf sich General Francis L. Donovan, Kommandeur des US-Südkommandos (SOUTHCOM), in Quito mit Präsident Daniel Noboa und Vertretern des Verteidigungsministeriums.

Das US-Verteidigungsministerium, im vergangenen Jahr von US-Präsident Donald Trump in "Kriegsministerium" umbenannt, zieht verschiedene Befugnisse heran, um Streitkräfte einsetzen zu können. Dazu zählt Paragraf 127e des US-Bundesrechts, der Spezialkräfte ermächtigt, ausländische Streitkräfte bei Antiterroroperationen zu unterstützen. Unter Trump wird er zunehmend gegen Drogenorganisationen angewandt.

Missionen dieser Art unterliegen eigentlich der Aufsicht des Verteidigungsministeriums – ein ziviler Vertreter musste sie früher genehmigen und den Kongress darüber informieren. Trump hat diesen Rahmen jedoch ausgeweitet: Verteidigungsminister Pete Hegseth lockerte Anfang 2025 per Direktive die Auflagen für Luftangriffe und Spezialeinsätze außerhalb konventioneller Kriegsschauplätze und gab Kommandeuren damit mehr Eigenermächtigung bei der Zielauswahl. Hegseth bestätigte diese Berichterstattung von CBS News auf X.

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Grundlage für den Einsatz in Ecuador bilden darüber hinaus bilaterale Sicherheitsabkommen, die Präsident Noboa mit Washington geschlossen hat und die US-Truppen weitgehende Bewegungsfreiheit auf ecuadorianischem Territorium gewähren. Ecuador hat sich dabei schrittweise für US-Militärpräsenz geöffnet.

Laut dem Konfliktforschungsinstitut ACLED verschärft diese Militarisierung die Lage jedoch eher: Militärisches Vorgehen fragmentiert kriminelle Strukturen mittelfristig und erzeugt so mehr statt weniger Gewalt (amerika21 berichtete).

Zusätzlich stufte US-Außenminister Marco Rubio Los Choneros und Los Lobos im September 2025 als "Foreign Terrorist Organizations" ein. Los Choneros gilt als eine der mächtigsten kriminellen Organisationen Ecuadors – in den 1990er Jahren gegründet, dezentral nach dem Franchiseprinzip organisiert und vernetzt mit dem mexikanischen Sinaloa-Kartell sowie albanischen kriminellen Gruppen. Die Mitgliederzahl wird auf rund 12.000 geschätzt, mit Präsenz in mindestens zehn ecuadorianischen Provinzen sowie in Kolumbien und Peru.