Hannover. Der Präsident von Brasilien, Luiz Inácio Lula da Silva, besucht für zwei Tage die Bundesrepublik. In seiner Eröffnungsrede auf der Hannover Messe, bei der Brasilien in diesem Jahr Partnerland ist, sprach Lula gestern über die Notwendigkeit eines neuen Entwicklungsmodells. "Das Wachstum des Extremismus ist eine der Folgen der Grenzen eines Modells, dessen Vorteile nicht alle Menschen erreichen. Ein neues Entwicklungsparadigma erfordert einen fairen und ausgewogenen Multilateralismus", sagte Lula.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz empfing den brasilianischen Staatschef. Schwerpunkt des Besuchs ist der Austausch über die Zukunft der Industrie und Innovation.
Ähnlich wie auf dem Gipfel der progressiven Kräfte in Spanien einen Tag zuvor kritisierte Lula in Hannover die Folgen des Krieges der USA und Israels gegen den Iran, den er als "Wahnsinn" bezeichnete. Er tadelte den Einsatz von Technologie und die Investitionen in Kriege angesichts Tausender ziviler Opfer, während Hunger nach wie vor ein globales Problem sei: "Künstliche Intelligenz macht uns produktiver, wird aber auch dazu genutzt, militärische Ziele ohne rechtliche oder moralische Maßstäbe auszuwählen."
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Der brasilianische Regierungschef kritisierte zudem, dass die Welt von Ungleichheiten geprägt sei, während 2,7 Billionen US-Dollar für Kriege ausgegeben würden. Er forderte von den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats, Verantwortung zu übernehmen und Wege zu suchen, um diese Verhältnisse zu ändern. Damit sind die USA, China, Russland, Frankreich und das Vereinigte Königreich gemeint.
Lula stellte Brasilien als strategischen Partner für die Dekarbonisierung der europäischen Industrie vor. Er verwies dabei auf das Potenzial des südamerikanischen Landes, den weltweit günstigsten grünen Wasserstoff zu produzieren. Auch eine verstärkte Förderung kritischer Mineralien in seinem Land erwähnte er als Möglichkeit, um zur Energiewende und digitalen Transformation beizutragen. Lula betonte jedoch, dass er das Land nicht als "bloßen Exporteur" von Mineralien sehe, sondern internationale Partnerschaften mit Technologietransfer anstrebe.
Der brasilianische Präsident soll in Deutschland zehn Kooperationsabkommen unterzeichnen. Es geht dabei um strategische Bereiche wie künstliche Intelligenz, Verteidigung sowie Bioökonomie und Klimawandel.

