Bogotá/Cali. Nach der Stichwahl um das Amt des kolumbianischen Präsidenten am 21. Juni haben viele Menschen in mehreren Städten gegen Wahlbetrug protestiert. Laut der vorläufigen Auszählung lag der ultrarechte Kandidat Abelardo de la Espriella mit weniger als einem Prozentpunkt vor dem linken Kandidaten Iván Cepeda. Der Abstand betrug rund 250.000 Stimmen. Cepeda erkannte mittlerweile die amtlichen Endergebnisse zwar an, verwies aber auf mehrere Unregelmäßigkeiten, die noch erklärt werden müssten.
Bereits am Wahlabend versammelten sich in Bogotá Menschen in verschiedenen Stadtteilen, unter anderem rund um das Messegelände Corferias, wo die amtliche Auszählung stattfand, sowie in den Stadtteilen Usme und Kennedy. Am Montag, dem 22. Juni, zog ein von studentischen Gruppen mitgetragener Protestzug von der Nationalen Universität zur Plaza de Bolívar.
Die Teilnehmenden protestierten vor allem gegen mutmaßlichen Wahlbetrug, die drohende Privatisierung öffentlicher Bildung durch den neuen Präsidenten sowie den allgemeinen Rechtsruck im Land. Dabei kam es zu Behinderungen im Stadtverkehr. Das Bussystem TransMilenio schloss vorübergehend mehrere Stationen. In einer Pressekonferenz vom 22. Juni rief Cepeda zur Ruhe auf und betonte, sein politisches Lager rufe zu keinen gewaltsamen Protesten auf.
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In Cali, wo Cepeda die Mehrheit der Stimmen bekam, kam es in der Nacht vom 22. Juni zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Undmo, der Nachfolgestruktur der früheren berüchtigten Polizeieinheit Esmad. Dabei wurde insbesondere im Osten der Stadt, im Viertel Puerto Resistencia (Hafen des Widerstands), das für seine starke Protestbewegung bekannt ist, mit Tränengas und Wasserwerfern vorgegangen. Auch in Bogotá wurden Einheiten der Undmo eingesetzt. Insgesamt registrierte die Polizei Aktionen in 82 Gemeinden. Als prioritär wurden Bogotá, Cali und Pasto eingestuft.
Die großen, organisierten Protestzüge verliefen den Angaben der Veranstaltenden und Beobachtenden zufolge friedlich. Auch in anderen Städten, darunter Manizales, fanden Kundgebungen statt.

