Río de Janeiro. Ein unbefristeter Streik von Busfahrern beeinträchtigt seit Montag den öffentlichen Nahverkehr in Río de Janeiro. Der Ausstand wurde am 2. Juli zwar bis zum 6. Juli vorübergehend ausgesetzt, eine Einigung zwischen den Tarifparteien steht jedoch weiterhin aus. Der Protest beeinträchtigt seit dem 29. Juni Teile des öffentlichen Nahverkehrs und verschärft die Auseinandersetzung um Löhne, Arbeitsbedingungen und die in Brasilien verbreitete Sechs-Tage-Arbeitszeitregel. Diese besagt, das Arbeitnehmer sechs Tage am Stück arbeiten und nur einen Tag freihaben.
Im Zentrum der Forderungen stehen höhere Löhne, bessere Sozialleistungen und kürzere Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft Sintrucad-Rio verlangt die Einführung einer Fünf-Tage-Woche sowie einen Mindestlohn von 4.000 brasilianischen Reais (ca. 669 Euro) im regulären Linienverkehr und 5.000 Reais (837 Euro) im Schnellbussystem.
Der Arbeitskampf ist Teil eines länger bestehenden Konflikts um die Organisation des öffentlichen Nahverkehrs in der Millionenstadt. Der Busverkehr wird überwiegend von privaten Unternehmen betrieben, während die Stadtverwaltung das System lediglich reguliert. Gewerkschaften kritisieren seit Jahren daraus resultierende Prekarisierung, hohe Arbeitsbelastung und Personalmangel.
Nach einer gerichtlichen Anordnung muss ein Teil des Busverkehrs trotz Streiks aufrechterhalten werden. Dennoch kam es in mehreren Stadtteilen zu langen Wartezeiten. Viele Pendelnde wichen auf Metro, Vorortzüge und Straßenbahnen aus. Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und dem Unternehmerverband Rio Ônibus blieben bislang ohne Einigung.
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Viele Fahrgäste waren frustriert über die eingeschränkten Verbindungen, zeigten jedoch zugleich Verständnis für die Streikenden. "Ich komme zu spät zur Arbeit, aber die Fahrer haben recht. So kann niemand dauerhaft arbeiten", sagte eine Pendlerin im Zentrum von Río de Janeiro gegenüber amerika21. Ein anderer Fahrgast meinte: "Es ist chaotisch, aber sie kämpfen für bessere Bedingungen."
Der Streik wirkt sich inzwischen auch auf Bildungseinrichtungen aus. Die Bundesuniversität Rio de Janeiro (UFRJ) empfahl, Präsenzprüfungen nach Möglichkeit zu verschieben. Fehlzeiten von Studierenden und Beschäftigten sollen aufgrund der Verkehrsprobleme erleichtert entschuldigt werden.
Die Gewerkschaft kritisiert zudem Lohnstagnation und Personalmangel im Sektor. Viele Fahrer hätten den Beruf verlassen und arbeiteten inzwischen im informellen Sektor oder für Plattformdienste wie Uber.
Der Arbeitskampf steht im Kontext weiterer Kämpfe von Gewerkschaften und soziale Bewegungen in Brasilien für eine Verkürzung der Arbeitszeit.

