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"Der Sieg der würdigen und mutigen Frauen des Q'eqchi-Volkes"

Quelle: Ingrid Fadnes
Lizenz: CC by-nc 4.0
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Ende Februar wurde in Guatemala in einem Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschheit während der Diktatur ein historisches Urteil gefällt: Erstmals wurde sexuelle Sklaverei während eines Bürgerkrieges vor einem nationalen Gericht verhandelt, erstmals wurden die Täter verurteilt.

Im Jahr 2011 hatten sich 15 Frauen der Volksgruppe der Maya-Q’eqchi entschlossen, bei der Staatsanwaltschaft Klagen einzureichen. 1982 waren in der Gemeinde Sepur Zarco die Kleinbauern, die sich gegen die Großgrundbesitzer-Elite zur Wehr setzten und für die Legalisierung ihres Landes kämpften, vom Militär als Aufständische verhaftet und verschleppt worden. Ihre Frauen wurden im Militärposten versklavt und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Sie mussten während sechs Monaten den Soldaten die Uniformen waschen, kochen, putzen und wurden wiederholt einzeln und kollektiv vergewaltigt.

Jetzt wurden schließlich zwei ehemalige hochrangige Militärs wegen dieser Taten zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Gegen Oberstleutnant Esteelmer Francisco Reyes Girón, den Kommandanten des Militärbezirks Sepur Zarco, wurde eine Haftstrafe von insgesamt 120 Jahren und für den Militärkommissionär Heriberto Valdez Asij eine Strafe von 340 Jahren verhängt. Da die Vergewaltigungen durch das Militär im Bürgerkrieg systematisch als Teil der Aufstandsbekämpfung durch den Staat angewandt wurden, seien sie als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit anzusehen, so das Gericht.

Paulo Estrada Velázquez, der den Prozess beobachtete, bezeichnete das Urteil als "Sieg der würdigen und mutigen Frauen des Q'eqchi-Volkes" und schrieb weiter zur Urteilsverkündung: "Es schien, als schlösse sich ein dunkles Kapitel der Geschichte dieser Frauen, die nicht schwiegen über das, was ihnen geschah und die mit ihrem Mut – der nachahmenswert ist – nicht zuließen, dass diese gegen sie begangenen Verbrechen straflos bleiben. 20 Tage lang waren sie verborgen unter ihren Tüchern anwesend, beobachteten ihre Peiniger und wurden sogar noch einmal verhöhnt durch die spöttischen Kommentare der Angeklagten. Jetzt können wir sagen, dass sich dank ihres Mutes weitere Opfer motiviert fühlen werden, das Schweigen zu brechen, das durch den Terror der Militärdiktaturen erzwungen wurde. Das guatemaltekische Volk hofft darauf, dass dieser kleine historische Sieg sich in einen großen Fortschritt verwandelt, damit die mehr als 1.500 Fälle sexualisierter Gewalt gegen die Frau durch Repressionskräfte des Militärs verhandelt werden, die von der Kommission für historischen Aufklärung gesammelt wurden und für die noch niemand bestraft wurde."

Die hier dokumentierten Fotos stammen von Ingrid Fadnes aus Norwegen, die den Prozess begleitet hat.

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