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28.02.2016 Guatemala / Menschenrechte

Historisches Urteil in Guatemala wegen Verbrechen gegen die Menschheit

Erstmals wurde Sexsklaverei während eines Bürgerkrieges vor einem nationalen Gericht verhandelt. Ehemalige Militärkommandanten der Diktatur verurteilt
Die Anwesenden im Gerichtssaal applaudierten nach der Urteilsverkündung und riefen "Gerechtigkeit"

Die Anwesenden im Gerichtssaal applaudierten nach der Urteilsverkündung und riefen "Gerechtigkeit"

Quelle: facebook.com

Guatemala-Stadt. Nach 20 Verhandlungstagen sind am Freitag zwei ehemalige hochrangige Militärs zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Gegen Oberstleutnant Esteelmer Francisco Reyes Girón, den Kommandanten des Militärbezirks Sepur Zarco wurde eine Haftstrafe von insgesamt 120 Jahren und für den Militärkommissionär Heriberto Valdez Asij 340 Jahre verhängt. Reyes Girón wird für sexuelle Sklaverei, Arbeitssklaverei, sexualisierte Gewalt, entwürdigende und entmenschlichende Handlungen sowie wegen des Mordes an Dominga Choc und ihren zwei Töchtern bestraft. Valdez Asij wird in sechs Fällen gewaltsames Verschwindenlassen und sexualisierte Gewalt gegen zwei Frauen für schuldig befunden.

Im Jahr 2011 entschieden sich 15 Maya Q’eqchi Frauen, bei der Staatsanwaltschaft Klagen wegen Verbrechen gegen die Menschheit in den Bürgerkriegsjahren einzureichen. 1982 wurden in der Gemeinde Sepur Zarco die Männer, die sich für die Legalisierung ihres Landes einsetzten, vom Militär als Aufständische verhaftet und verschwanden. Ihre Frauen wurden im Militärposten versklavt und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Sie mussten während sechs Monaten den Soldaten die Uniformen waschen, kochen, putzen und wurden wiederholt einzeln und kollektiv vergewaltigt. Da die Vergewaltigungen durch das Militär im Bürgerkrieg systematisch als Teil der Aufstandsbekämpfung durch den Staat angewandt wurden, sei dies als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit anzusehen, so das Gericht.

Die vorsitzende Richterin Yassmin Barrios legte in ihrem Urteilsspruch dar, dass die Zeugenaussagen der versklavten Frauen glaubhaft sind und die Gräueltaten belegt werden konnten. Der den Opfern zugefügte Schaden habe "ihren Körper und Geist durchdrungen und auch das soziale Gefüge zerstört". Der Befehlshaber des Militärpostens müsse von den Vorgängen gewusst haben und die Verantwortung dafür übernehmen. "Geschehnisse solcher Natur dürfen nie wieder geschehen", so die Richterin.

Die Klägerinnen im Prozess. Nach dem Urteil zeigten sie das erste Mal ihre Gesichter vor der Öffentlichkeit

Die Verteidigung versuchte bis zum Schluss, die Täterschaft der Angeklagten zu verneinen. Sie seien nie dort gewesen, behaupteten sie. Außerdem verlangten sie weitere Gutachten, die die forensischen Beweise erhärten sollten. Auch solle der aktuelle US-amerikanische Botschafter in Guatemala Robinson Todd dem Gericht die Zusammenarbeit der US-amerikanischen Regierung mit der guatemaltekischen Militärregierung während des Bürgerkriegs darlegen.

Die Verhandlung über die Wiedergutmachung für die Opfer wurde auf den 2. und 4. März festgelegt. An diesen Tagen wird die vollständige Begründung des Urteils verlesen.

Es ist das erste Mal, dass Sexsklaverei während eines Bürgerkrieges vor einem nationalen Gericht zur Verhandlung kommt und verurteilt wird. Guatemala setzt damit ein Präjudiz in der juristischen Aufarbeitung von Kriegsverbrechen.

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