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26.12.2010 Venezuela / Politik

Ehemaliger venezolanischer Präsident gestorben

Caracas. Der frühere Präsident Venezuelas, Carlos Andrés Pérez, ist am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Medienberichten zufolge erklärte seine Tochter, der Sozialdemokrat sei in Miami einem Herzinfarkt erlegen. Carlos Andrés Pérez (CAP) war zwei Mal Präsident Venezuelas. In seiner ersten Amtszeit (1974-1979) hatte er das Glück, nach der Nationalisierung der Erdölindustrie den Boom der Ölpreise abschöpfen zu können. Venezuela brachte diese Zeit der Erdölbonanza in Anspielung auf Saudi Arabien den Beinamen "Venezuela saudita" ein.

In seiner zweiten Amtszeit (1989-1993) erlangte CAP durch seine neoliberalen Strukturanpassungsprogramme Berühmtheit, die die Armut in dem lateinamerikanischen Land explodieren ließen. Den als "Caracazo" oder "Sacudón" bekannten Volksaufstand im Februar 1989 ließ der damalige Präsident von Polizei und Militär blutig niederschlagen. Unabhängige Schätzungen gehen davon aus, dass hunderte bis tausende Menschen getötet wurden.

Nach den krisenhaften ersten Jahren der 1990er wurde CAP 1993 wegen Korruption des Amtes enthoben. 1999 verließ er das Land und ließ sich in den USA nieder. 2009 beantragte die venezolanische Staatsanwaltschaft seine Auslieferung, um ihn wegen der Verbrechen des Caracazo zur Verantwortung zu ziehen.

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