Bolivien / Medien

Bolivien führt Versicherung für Journalisten ein

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Journalisten La Paz
Journalisten im Regierungspalast La Paz bei Verabschiedung des Versicherungsgesetzes.

La Paz. Boliviens Journalisten haben erstmals in der Geschichte des Andenlandes Rechtsanspruch auf Versicherungsschutz. Anfang der Woche unterzeichnete Präsident Evo Morales ein entsprechendes Gesetz, so die staatliche Tageszeitung Cambio. Über die vom Parlament ausgearbeitete Norm Nr. 315 wird die Gründung eines staatlich verwalteten Fonds festgelegt, in den Medienunternehmen ein Prozent ihrer monatlichen Brutto-Einkommen einzahlen. Medien indigener Völker, interkultureller und afro-bolivianischer Gemeinschaften zahlen 0,25 Prozent, so das Gesetz. "Dies ist ein kleiner Beitrag zur Lebensversicherung, der sicher schwanken wird, aber es ist wichtig an einer Regelung zu seiner Einführung und Anwendung zu arbeiten", erklärte Evo Morales.

Das am Internationalen Tag der Menschenrechte verabschiedete Vorhaben provozierte auch Kritik, zumal Morales Medienbesitzer wiederholt tendenziöse Berichterstattung vorwarf und die Journalisten zu mehr Unabhängigkeit aufforderte. Auf Ablehnung stieß im Vorfeld darum vor allem der staatlich verwaltete Versicherungsfonds. Er eigne sich "fremde Gelder an, die nicht vom Staat sind, sondern von den Unternehmern und den Angestellten", berichtete die katholische Nachrichtenagentur ANF über Einwände von Vertretern der Tageszeitung La Razón.

Lob kam derweil von der bolivianischen Botschaft in Deutschland. In einer Presseerklärung begrüßte Botschafterin Elizabeth Salguero die Entscheidung. Der Rechtsanspruch auf Versicherungen sei "ein großer Schritt für den Journalismus in Bolivien", so Salguero, die auf jahrlange Arbeitserfahrung als Journalistin zurückblickt.

Die Versicherung für Journalisten hatte die Linksregierung in Angriff genommen, nachdem die Geschwister Verónica Peñasco Layme, Chefredakteurin des Radiosenders San Gabriel vom katholischen Radionetz Red Erbol, und ihr Bruder Victor Hugo, Sprecher des Radiosenders Pachakamasa, im Januar 2012 in der Stadt El Alto ermordet worden waren. Im März verhafteten Ermittler fünf Verdächtige einer ortsbekannten Bande.

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