Chile / Politik / Medien

Chile: Journalisten erleiden Raub und Drohungen

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Mauricio Weibel bei der Vorstellung des Buches "Asociación Ilícita: Los archivos secretos de la dictadura"
Mauricio Weibel bei der Vorstellung des Buches "Asociación Ilícita: Los archivos secretos de la dictadura"

Santiago. Chilenische Journalisten und Korrespondenten internationaler Medien in Chile werden bedroht, ihre Computer und Festplatten mit Recherchematerial über Verbrechen gegen die Menschenrechte während der Pinochet-Diktatur geraubt.

Dies machte der chilenische Autor Mauricio Weibel publik, der auch für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) arbeitet. Im Oktober 2012 erschien sein gemeinsam mit dem Journalisten Carlos Dorat Guerra verfasstes Buch "Illegaler Verband: Die Geheimarchive der Diktatur" (Asociación Ilícita: Los archivos secretos de la dictadura, Ed. Ceibo), in dem bislang geheimes Material über die Rolle des Militärgeheimdienstes während der Diktatur veröffentlicht wird. Weibel steht bereits unter Polizeischutz und war der Erste, der die Drohungen und Überfälle öffentlich machte. Drei Mal sei zwischen dem 14. und 16. Dezember in seine Wohnung eingebrochen und Computer sowie weiteres Recherchematerial gestohlen worden.

Ähnliches erlebten Pascale Bonnefoy, die Korrespondentin der New York Times und Javier Rebolledo, Autor des Buches "Der Tanz der Raben" (La Danza de los Cuervos, Ceibo), in dem er über Aktionen von Geheimagenten der Militärdiktatur berichtet. Carlos Dorat Guerra ist ebenso betroffen wie der Autor und Journalist Cristobal Peña, der einen politischen Thriller geschrieben hat, der in der Zeit der Pinochet-Diktatur angesiedelt ist.

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Die Betroffenen haben nun vor Gericht um Schutz ersucht. Sie machen Geheimdienstmitarbeiter für die Bedrohungen und Diebstähle verantwortlich, die alles tun, um ihre Aktivitäten in der Zeit der Diktatur zu verdecken. Während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990) wurden cirka 3.000 Menschen ermordet, 20.000 gefoltert, Hunderte flohen ins Exil.

Der Vater von Mauricio Weibel wurde als Mitglied der Kommunistischen Partei Chiles 1976 entführt und ist seither verschwunden. Die Chefredaktion der dpa forderte inzwischen die Regierung Chiles auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit ihres Korrespondenten und seiner Familie zu gewährleisten.

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