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Andauernde Proteste in Potosí

Minenarbeiter sperren Zugangsstraßen der Stadt im Süden des Landes ab. Versorgungsmängel und eine Rüge der UNO sind die Folge
Zeitungsbericht: Streikende in Potosí halten Protest aufrecht

Zeitungsbericht: Streikende in Potosí halten Protest aufrecht

La Paz. Proteste und ein Streik von Minenarbeitern sowie ihren nahestehenden Organisationen in der südbolivianischen Stadt Potosí dauern an. Seit knapp zwei Wochen protestieren sie gegen die Regierung, die einige ihrer Minen geschlossen hat und von der sie unter anderem den Bau einer Zementfabrik und den Ausbau des lokalen Flughafens fordern. Dieser sowie die Ausfallstraßen sind blockiert, die Stadt ist quasi seit zwei Wochen von der Außenwelt abgeschnitten.

Am Mittwoch haben die Proteste auch die Mine des knapp 300 Kilometer von der Hauptstadt des Departements Potosí gelegenen San Cristobal erreicht. Die Protestierenden haben ein Elektrizitätswerk besetzt, das für den Betrieb der Silber, Blei- und Zink-Minen von San Cristobal notwendig ist, was laut Regierungsangaben einen täglichen Einnahmeausfall von umgerechnet rund zwei Millionen US-Dollar bedeute.

Die Situation in der Departement-Hauptstadt selber sei dramatisch, sagt unterdessen der Gouverneur von Potosí, Felix Gonzales von der regierenden Bewegung zum Sozialismus (MAS). Er selber beteiligt sich seit dem vergangenen Freitag vorübergehend an einem Hungerstreik, den er Mitte der Woche wieder aufgab. In Potosí sitzen dabei immer noch nicht nur einige ausländische Touristen sondern auch viele Einheimische fest. Mittlerweile kommt es zu Versorgungsengpässen in der 160.000-Einwohner-Stadt.

Am Dienstag hatte es zunächst so ausgesehen, als würde sich die Situation entspannen, da einige der eingeschlossenen Touristen gemeinsam mit einer Verhandlungsdelegation die Stadt verlassen konnten. Mittlerweile sind die Verhandlungen gescheitert, die Protestierenden wollen nur noch mit Präsident Evo Morales reden. Für ihn stellen die Proteste eine neue Herausforderung nach einem Streik im Mai dar. Wie damals sind es auch heute teilweise seine Unterstützer – Minenarbeiter und einfache Bauern – von denen die Proteste ausgehen.

Während aus anderen Landesteilen Boliviens bereits Unterstützung für die Protestierenden gemeldet wird, hat die Regierung klar gestellt, dass sie die Situation mit friedlichen Mitteln lösen will. Auch beschuldigt sie die Opposition, die Proteste zu schüren. Die Vereinten Nationen haben indes zu Verhandlungen aufgerufen. Die Blockade einer Stadt stelle einen Verstoß gegen die Menschenrechte dar, hieß es.

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