DruckversionEinem Freund senden
31.12.2010 USA / Venezuela / Politik

Chávez und Obama ohne Botschafter

Beziehungen zwischen Washington und Caracas verschlechtern sich wieder: Venezuela macht USA für Situation verantwortlich
Botschafter Bernardo Álvarez Herrera darf nicht in die USA zurückkehren

Botschafter Bernardo Álvarez Herrera darf nicht in die USA zurückkehren

Quelle: Chris Leck, venezuelanalysis.com

Caracas/Washington. Die außenpolitische Kommission der venezolanischen Nationalversammlung verurteilt die "unangemessene" Reaktion der US-Administration auf die Ablehnung des designierten US-Botschafters Larry Palmer durch Caracas. Das Entziehen der Aufenthaltserlaubnis für den Botschafter Venezuelas, Bernardo Álvarez Herrera, weise auf eine Vertiefung der politischen Aggression aus Washington gegen das südamerikanische Land hin, sagte Kommissionspräsident Roy Daza am Donnerstag im staatlichen Fernsehen. Offenbar hätten die Hardliner in der Regierung von US-Präsident Barack Obama die Oberhand gewonnen.

Am Mittwoch gab die US-Regierung bekannt, dass sie kein Visa für Venezuelas Botschafter mehr ausstellen werde. Am Vortag hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez erneut betont, dass er Larry Palmer auf Grund seiner "unangemessenen Vorwürfe" gegen die linksgerichtete Regierung des südamerikanisches Landes nicht als US-Botschafter akzeptiert. "Wenn die USA deshalb die diplomatischen Beziehungen abbrechen wollen, indem sie unseren Botschafter rauswerfen, so sollen sie es machen", sagte Chávez am Dienstag. Seine Forderung: Obama solle einen akzeptablen Alternativ-Kandidaten für den Botschafterposten in Caracas vorschlagen.

Für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Ländern macht der venezolanische Vertreter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Roy Chaderton, allein die USA verantwortlich. Statt das inakzeptable Verhalten Palmers anzuerkennen und eine Alternative anzubieten, habe die US-Regierung entschieden die Lage zu eskalieren, sagte Chaderton dem lateinamerikanischen Nachrichtensender Telesur. Venezuela sei weiterhin offen für eine Verbesserung der diplomatischen Beziehungen, doch nur "auf Basis des gegenseitigen Respektes", betonte Chaderton. Daher werde Palmer nie von Caracas akzeptiert. "Er hat sich negativ über unsere Regierung geäußert, offensiv und interventionistisch".

Palmer war von Caracas bereits im August abgelehnt worden, weil er schon im Nominierungsverfahren durch harsche Kritik aufgefallen war. Demnach unterstellte er der venezolanischen Regierung eine Zusammenarbeit mit der kolumbianischen FARC-Guerilla und kritisierte die Verfasstheit der Armee des südamerikanischen Landes.

Nach dem Amtsantritt von Barack Obama Anfang 2009 schien sich das angespannte Verhältnis zwischen den USA und Venezuela eigentlich zu entspannen. Im Sommer 2009 tauschten die beiden Länder nach einem Jahr ohne gegenseitigen Botschafter wieder Chefdiplomaten aus, nachdem sich Venezuelas Präsident Hugo Chávez und US-Präsident Obama auf dem Amerikagipfel die Hände gereicht hatten. Doch im Juli 2010 verließ der bisherige US-Botschafter Patrick Duddy die venezolanische Hautstadt Caracas und sein Posten ist seitdem unbesetzt. Nach der jüngsten Entscheidung Washingtons wird auch Bernardo Álvarez Herrera nach seinem Weihnachtsurlaub in der venezolanischen Heimat erst einmal nicht auf seinen Posten in den USA zurückkehren können.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

30.12.2010 Nachricht von Harald Neuber
19.12.2010 Nachricht von Maxim Graubner
05.08.2010 Nachricht von Tobias Lambert
20.04.2009 Nachricht von Harald Neuber