Lateinamerika / Soziales

Armut in Lateinamerika auf 20-Jahrestief

CEPAL sieht Armut auf tiefstem Stand seit 1990. Weiter mehr als 170 Millionen Menschen in Armut

cepal-grafik-armut-lateinamerika-prozent.png

Balkengrafik, welche die Entwicklung der Armut in Prozenten zeigt
Entwicklung der Armut in Lateinamerika in Prozent der Bevölkerung

Santiago de Chile. Die Zahlen der in Armut lebenden Menschen in Lateinamerika befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Seit 1990 lebten nie so wenige Menschen in Armut, wie 2010. Dies geht aus einem Bericht der Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hervor, der vergangenen Dienstag in Chile vorgestellt wurde. Demnach ist die absolute Zahl der Armen von 204 auf 177 Millionen gesunken. Prozentual betrachtet, entspricht dies einem Rückgang um 17 Prozentpunkte von 48,4 auf 31,4 Prozent. Die sinkende Tendenz hat sich auch im laufenden Jahr fortgesetzt, erklärte die Generalsekretärin der CEPAL, Alicia Bárcena. Für 2011 rechnet die Organisation mit einer Reduzierung auf 174 Millionen bzw. 30,4 Prozent.

Auch die extreme Armut ist im untersuchten Zeitraum zurück gegangen. Sie sank von 95 auf 70 Millionen in absoluten Zahlen bzw. von 22,6 auf 12,3 Prozent in relativen Zahlen. Diesen Rückgang führte Bárcena vor allem auf gestiegene Einkommen zurück und nur in geringerem Maße auf vermehrte Sozialausgaben. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2009 seien die lateinamerikanischen Volkswirtschaften wieder ins Wachstum zurückgekehrt, das 2010 im Durchschnitt 4,8 Prozent betragen hat.

cepal-grafik-armut-lateinamerika-absolut.png

Balkengrafik, welche die Entwicklung der Armut in absoluten Zahlen zeigt
Entwicklung der Armut in Lateinamerika in absoluten Zahlen

Als Wendepunkt in der Armutsentwicklung beschreibt der Bericht den Zeitraum um das Jahr 2002. Seitdem ist die Armut insgesamt deutlich zurückgegangen. Auch die Verteilung der Einkommen ist seitdem in den meisten Ländern gerechter geworden. So wies der Gini-Koeffizient, der die Ungleichverteilung misst, bis 2002 in vielen Ländern Wachstumsraten auf, d.h. die Verteilung der Einkommen wurde ungerechter. Im Zeitraum von 2002 bis 2009 kehrte sich diese Tendenz um, so dass der Gini-Wert in vielen Ländern sank. Vor allem Venezuela, Nicaragua und El Salvador wiesen in dieser Zeit starke Veränderungen auf. Nach 2008 waren es dann vor allem Mexiko, Venezuela und Uruguay, die ihre Werte verbesserten.

Während die Gesamtzahlen eine positive Tendenz aufweisen, sind die Entwicklungen je nach Region sehr unterschiedlich. So bietet die CEPAL Vergleichsdaten für 18 Länder für den Zeitraum zwischen 2002 und 2009/2010. Demnach ist nur in der Dominikanischen Republik (ein Prozent) und in Mexiko (5,6 Prozent) die extreme Armut gewachsen. In allen Ländern sank die Armut jedoch generell. Spitzenreiter bei der Reduzierung der extremen Armut waren demnach Argentinien (minus 81,8 Prozent), Peru (minus 59,8 Prozent) und Venezuela (minus 51,8 Prozent). Auch Brasilien, Uruguay, Chile und Panama konnten im Vergleichszeitraum die extreme Armut um über 30 Prozent reduzieren. Die niedrigsten Armutsraten wiesen 2009 Uruguay (10,7 Prozent), Argentinien (11,3 Prozent) und Chile (11,5 Prozent) auf, die höchsten Honduras (65,7 Prozent), Nicaragua (61,9 Prozent) und Paraguay (56 Prozent).

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr