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31.08.2012 Honduras / Menschenrechte

Garifunas befürchten Massaker in Honduras

Paramilitärs bedrohen afro-karibische Indigene. Staatliche Institutionen verweigern Konfrontation mit Großgrundbesitzern
Zu großen Teilen ihres Landes haben die Garifunas keinen Zutritt mehr

Zu großen Teilen ihres Landes haben die Garifunas keinen Zutritt mehr

Quelle: OFRANEH

Tocoa/Vallecito, Honduras. Seit vergangenen Sonntag halten circa 200 Angehörige der Garifuna-Organisation OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) trotz konstanter Bedrohungen durch paramilitärische Gruppen ein Camp im nordhonduranischen Verwaltungsbezirk Colón aufrecht. Ziel der Aktion in dem Dorf Vallecito ist es, gemeinsam mit dem staatlichen Agrarinstitut INA die Begehung und Neuvermessung einer Länderei durchzuführen, die Großgrundbesitzer seit mehreren Jahren illegal besetzt halten. Aufgrund von schwerbewaffneten Personen, die einen großen Teil des zu vermessenden Landes kontrollieren, konnte bisher jedoch nur ein kleiner Bereich des Geländes vermessen werden. Von diesen bewaffneten Zivilisten, die dem privaten Sicherheitsdienst des Großgrundbesitzers Reynaldo Villalobos zugeschrieben werden, gehen konstante Einschüchterungsversuche gegen die anwesenden OFRANEH-Aktivisten und nationale und internationale Beobachter aus. Augenzeugen berichteten in den vergangenen Tagen mehrfach von Maschinengewehrsalven in der Nähe des Camps und patrouillierenden Fahrzeugen auf denen Paramilitärs demonstrativ ihre Waffen zur Schau stellen. In der Nacht von Montag auf Dienstag drangen mehrere bewaffnete Personen in das Camp der Aktivisten ein.

Die honduranischen Behörden reagierten bisher trotz mehrfacher Aufforderung durch OFRANEH und dem Druck durch die nationale und internationale Zivilgesellschaft nur unzureichend und ausweichend auf die Ereignisse. So sind bisher keine Polizeieinheiten oder hohe Beamte vor Ort, um mögliche Übergriffe gegen die Aktivisten zu verhindern. Am Donnerstag erklärte ein Vertreter des Sicherheitsministeriums, der sich zusammen mit Polizei- und Militäreinheiten, Vertretern der Staatsanwaltschaft und Beamten des INA in der Provinzstadt Tocoa befindet, gegenüber OFRANEH, dass eine Fahrt nach Vallecito nicht möglich wäre, da kein Geld für Benzin vorhanden sei. Vertreter von OFRANEH zeigen sich äußert besorgt über die Abwesenheit und das Verhalten der staatlichen Behörden und warnen vor einem bevorstehenden Massaker.

Aufgrund der kritischen Situation vor Ort bittet OFRANEH dringend um internationale Solidarität und ruft zu Protestmails und Anrufen bei den zuständigen Behörden auf. Die Handlungsunfähigkeit des honduranischen Staates, in der die Garifuna-Organisation ein Spiel auf Zeit sieht, wird von Beobachtern auch als Indiz dafür gewertet, dass in der Region Interessen bestehen, die über der Macht des honduranischen Staates stehen. So werden den Großgrundbesitzern der Region Verbindungen zum organisierten Drogenhandel nachgesagt. Außerdem ist Vallecito einer der Orte an denen eine sogenannte Modellstadt errichtet werden soll.

Seit 1997 befinden sich die 1.600 Hektar Land, um die sich die Neuvermessung dreht, im Besitz von sechs Gemeinschaftsunternehmen der Garifuna. Im Laufe der Jahre bemächtigten sich mehrere Großgrundbesitzer der Ländereien. Trotz eines Urteils des Obersten Gerichtshofs Ende 1999 zugunsten der Garifuna konnten diese aufgrund von Aktivitäten der Großgrundbesitzer und des organisierten Verbrechens seit 2005 kaum mehr auf ihrem Grundstück präsent sein. Im Juli 2010 unterzeichnete OFRANEH ein Abkommen mit dem staatlichen Agrarinstitut INA, dass die Ländereien neu vermessen werden sollten. Die Besetzer weigerten sich jedoch, die Staatsanwaltschaft und das INA auf das Grundstück zu lassen. Deshalb beschlossen die lokale Organisation Iseri Lidawari und OFRANEH eine öffentliche Aktion, um zusammen mit dem INA auf friedliche Weise Zutritt zu dem Gebiet zu bekommen.

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