Kolumbien: Krieg gegen Landrückgabe hält an

Bewohner der Region Urabá auf Rundreise in Europa. Agrarunternehmer üben durch Paramilitärs Druck aus. Regierung bleibt untätig

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Raúl Palacios
Auf Europa-Tour: Raúl Palacios

Köln/Curbaradó. Die Gemeinde des Flussgebiets Curbaradó im Nordwesten Kolumbiens bleibt durch paramilitärische Gruppen stark gefährdet. Dies hat der Gemeindevertreter Raúl Palacios gegenüber ameika21.de beklagt. Bisher seien 45 Mitglieder der Gemeinde bedroht worden. Dennoch hätten sie keinen Schutz vom Staat bekommen. So wurden der Bauernführer Manuel Ruiz und sein Sohn Samir im April ermordet. Grund der Angriffe sei das Beharren der Gemeinde auf ihrer Forderung nach Rückgabe der Ländereien, die Paramilitärs Ende der Neunziger gewaltsam besetzt hatten.



"Die Paramilitärs haben eine Art von Büro 20 Minuten weit weg von unserer 'Humanitären Zone' in Caracolí", so Palacios. "In den Dörfern sieht man sie öfters als Zivilisten auf Motorrädern. Sie üben soziale Kontrolle aus und sie sind es, die Morde begehen. Sie machen dies in Anwesenheit der Polizei und der Streitkräfte", fügte er an.



Hinter der paramilitärischen Gewalt stehen allem Anschein nach Agrarunternehmer, in deren Händen Anfang des vergangenen Jahrzehnts 25.000 Hektar geraubten Ackerlands gelangten. Das ist mehr als die Hälfte der 46.000 Hektar der kollektiven Ländereien, die der Staat als legalen Besitz der Gemeinde anerkannt hatte. Auf den gestohlenen Grundstücken haben die Großunternehmer Ölpalmen und Bananen angebaut und extensive Viehhaltung betrieben. 

Auch Kokaplantagen seien dort weit verbreitet, sagt Palacios gegenüber amerika21.de. Dies hätte eine internationale Kommission von Menschenrechtsorganisationen im Februar 2012 bestätigt.

Die Kokapflanzungen gehören den paramilitärischen Gruppen "Los Urabeños" und "Los Rastrojos". Die Betriebsmittel passierten problemlos die Militär- und Polizeikontrollen. "Bei einem Treffen mit Vertretern der Regierung haben wir darüber informiert, aber anwesende Polizeibeamte und Militärangehörige haben uns als Lügner dargestellt", erklärt Palacios.



Obwohl das kolumbianische Landesstandesamt bescheinigt hat, dass der Besitz von 25.000 Hektar seitens der Unternehmer illegal ist und einige Ölpalmenunternehmer angeklagt und verhaftet wurden, verbleiben weiterhin große Teile der kollektiven Ländereien von Großgrundbesitzern besetzt, berichtet die Organisation Peace Brigades International (PBI). 


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Überdies hätten Bananenunternehmen wie der multinationale Agrarkonzern Banancol neue Besetzungen durch Kleinbauern aus anderen Regionen gefördert, damit diese Bananen für die Großunternehmen anpflanzen, sich als Gemeindemitglieder registrieren lassen und ein Gegengewicht gegen die legitimen Besitzer des kollektiven Grundbodens zugunsten der Unternehmer bilden.



Trotz maßgeblicher Indizien zur Partnerschaft der Bananenunternehmen von Urabá mit den Paramilitärs wurden jegliche Prozesse gegen sie eingestellt. Hingegen seien Prozesse gegen mehrere Gemeindevertreter wegen angeblicher Guerillamitgliedschaft eröffnet worden, so Palacios.



"Die Regierung hat nicht den politischen Willen, die existierenden Gewaltstrukturen zu bekämpfen", beklagte Palacios gegenüber amerika21.de. Solange dies so bleibe, werde die Situation der Gemeindemitglieder lebensbedrohlich bleiben, fügte er an.



Im Bezug auf das Thema Sicherheit hätte sich der Kommandant der 17. Armeebrigade Oberst Javier Vallejo bereit erklärt, ein Bataillon innerhalb des kollektiven Grundbesitzes einzurichten, um die Bauern zu beschützen. "Das würde nur mehr Morde, Vertreibungen, Landminen und noch stärkere Kontrolle über unsere Ländereien mit sich bringen", bemerkt Palacios jedoch. Die Armee unterstütze die Paramilitärs und die Unternehmer.

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