Botschaft Bolivien nimmt zu Missbrauchsfall Stellung

Botschafterin habe nach Streit mit Diplomatin erfolglos Kontakt zu Hausangestellter gesucht. Neue Regeln sollen Ausbeutung vermeiden

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In Lateinamerika üblich: Uniformen für Hausangestellte
In Lateinamerika üblich: Uniformen für Hausangestellte

Berlin. Boliviens Botschafterin in Deutschland, Elizabeth Salguero Carrillo, hat am Dienstag in einer ausführlichen Erklärung auf Medienberichte reagiert, nach denen die Hausangestellte einer Diplomatin über Monate hinweg ausgebeutet wurde. Der Fall war an die Medien gelangt, nachdem die 49-jährige die Unterstützung der Hilfs- und Frauenrechtsorganisationen Ban Ying und Respect in Anspruch genommen hatte.

Den Darstellungen nach kam die aus einfachen Verhältnissen stammende Antonia R. Ende Dezember 2011 nach Berlin. Bei der Botschaftsgesandten Naira R. sollte sie bei geregelter Arbeits- und Urlaubszeit 925 Euro monatlich verdienen. Nachdem ihr über Monate hinweg der Lohn vorenthalten wurde, habe sie sich in dem ihr fremden Land über Umwege an die Hilfsorganisationen gewandt. Ban Ying und das Respect-Netzwerk kümmern sich seit Jahren um die Rechte von Hausangestellten und prangern das Phänomen "moderner Sklaverei" an. Vor allem angesichts des diplomatischen Schutzes von Botschaftsangehörigen kommt es immer wieder zu solcher Ausbeutung.

In ihrer Erklärung verteidigt sich Salguero Carrillo nun gegen den Vorwurf der Untätigkeit. Die Ablehnung jeder Form von Diskriminierung und Ausbeutung am Arbeitsplatz sei ein zentraler Bestandteil der Regierung von Präsident Evo Morales, heißt es in dem Kommuniqué. Aus diesem Grunde sei den Beschwerden von Antonia R. gegen die Botschaftsgesandte Naira R. nachgegangen worden.

Der Fall hatte auch in der Botschaft und in bolivianischen Medien für Aufsehen gesorgt, weil es sich bei der beschuldigten Diplomatin ausgerechnet um die Tochter der Antikorruptionsministerin des südamerikanischen Landes, Nardi Suxo, handelt. Die Grafikdesign-Studentin war nach Informationen aus diplomatischen Kreisen ohne weitere erkennbare Qualifikation als "Gastfunktionärin" an die Botschaft berufen worden, was intern für Kritik gesorgt hatte.

Nach Bekanntwerden der Beschwerde habe Botschafterin Salguero Carrillo die Betroffene Angestellte telefonisch kontaktiert. "Um ihre Version kennenzulernen lud die Botschafterin sie in die diplomatische Vertretung ein", heißt es in der Erklärung. Jedoch sei die Betroffene nicht vorstellig geworden, auch telefonisch habe kein Kontakt mehr mit ihr hergestellt werden können. Vor diesem Hintergrund widerspricht die Botschafterin und ehemalige Abgeordnete den Vorwürfen, man habe Frau R. nicht empfangen und keine Hilfe angeboten.

Nach einem Treffen im Außenministerium sei vor wenigen Wochen eine Schlichtungsvereinbarung unterzeichnet worden, in der die aus dem Arbeitsverhältnis entstandenen Ansprüche in beiderseitigem Einvernehmen abgegolten wurden. Teil der Vereinbarung war auch die Kostenübernahme des Rückflugtickets von Frau R. nach Bolivien durch die Diplomatin. Damit gilt der Streitfall in beiderseitigem Einvernehmen als beigelegt.

In Folge des Falls will die Botschaft Bolivien nun einen Vorschlag erarbeiten, "damit die Botschaften aller Länder international Mechanismen einführen, um die Durchsetzung von Arbeitsrechten von Hausangestellten von Botschaftspersonal sicherzustellen".

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