Honduras

Frauen im Widerstand

Honduranisches Tagebuch (XI): Demokratiebewegung in mittelamerikanischem Land stützt sich auch auf Frauen. Mitunter schafft das Probleme

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Frauen im Widerstand
Transparent im Frauenzentrum

Tegucigalpa. Im Gebäude des Frauenzentrums Honduras´ (CEM-H) herrscht - wie in den Büros vieler sozialer Organisationen des Landes - reges Treiben. Seit dem Staatsstreich am 28. Juni beteiligen sich die Frauenrechtsaktivistinnen täglich an den Protesten. Während politischer Aktionen werden im Sekretariat ständig Meldungen über Übergriffe von Polizei und Armee zusammengetragen.

"Wir kämpfen seit rund zwei Jahrzehnten für die Menschenrechte von Frauen", sagt Mirta Kennedy. Die Koordinatorin ist von Beginn an dabei. Das CEM-H hat seit 1987 in Honduras zahlreiche Gesetze durchsetzen können: zur strafrechtlichen Verfolgung von Vergewaltigern, zum Schutz vor häuslicher Gewalt, gegen das willkürliche Vorgehen von Polizisten gegen Prostituierte. Und nun kämpfen die Frauen aus dem gleichen Rechtsverständnis heraus gegen das Putschregime von Machthaber Roberto Micheletti.

In einem der hinteren Räume liegt auf dem Boden ein halbfertiges Transparent. "Ni Golpe de Estado, Ni Golpes a las las Mujeres", steht auf dem Spruchband. Ein Wortspiel. Weder ein "Schlag gegen den Staat", also ein Staatsstreich, noch Schläge gegen Frauen, liest sich die Parole. Das Wort "Frauen" ist durch das Venussymbol ersetzt. "Ich bin noch nicht ganz fertig", erklärt die junge Künstlerin daneben stolz und kündigt an, das Transparent am nächsten Tag bei einer Kundgebung in Tegucigalpa einzuweihen.

Frauen nehmen in der Demokratiebewegung in Honduras eine wichtige Position ein. Eine der renommiertesten Menschenrechtsorganisationen des Landes, die Vereinigung der Angehörigen von Verschwundenen (COFADEH), wird mit Bertha Oliva von einer Frau geleitet. Auf fast jeder Demonstration stehen sie und ihre Mitkämpferinnen mit in der ersten Reihe. Mitunter kommt es aber zu Spannungen. "Es gibt männliche Aktivisten, die unser Engagement nicht gerne sehen", sagte Mirta Kennedy. Einige Männer aus der Widerstandsbewegung hätten sie als "mujeres abortistas" beschimpft, als "Abtreibungsfrauen". Mitunter pralle der emanzipative Anspruch der Widerstandsbewegung eben mit dem Konservatismus der lateinamerikanischen Gesellschaft zusammen, sagt Kennedy.

Dennoch lassen sich die Frauengruppen nicht einschüchtern. "Wir drängen weiter auf einen friedlichen Widerstand", sagt die Koordinatorin des CEM-H: "Denn wenn die Lage eskaliert oder es gar zu einem Bürgerkrieg kommt, wären es die Frauen, die darunter am meisten zu leiden hätten."


Harald Neuber ist unter anderem mit dem Mandat von Attac Deutschland in Honduras, um die Lage vor Ort zu beobachten.

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