Guatemala-Stadt/Quetzaltenango et.al. Landarbeiterorganisationen haben in Guatemala gegen Vertreibungen, strukturellen Rassismus und Privatisierungen demonstriert. Die Protestaktionen fanden am Montag in der Hauptstadt und in zwölf der 22 Departamentos des Landes anlässlich des Tages des indigenen Widerstandes am 12. Oktober statt. Er erinnert an die Ankunft von Christoph Kolumbus auf dem Kontinent vor 534 Jahren. Aufgerufen hatten die Landarbeiterorganisationen Codeca (Komitee für bäuerliche Entwicklung) und das CCDA (Bauernkomitee des Hochlandes) sowie der gewerkschaftlich orientierte Frente Nacional de Lucha (Nationale Kampffront, FNL).
In der Hauptstadt zog die Demonstration vom Obersten Gerichtshof mit einer Zwischenkundgebung am Nationalpalast zum ehemaligen Wohnhaus von Oliverio Castañeda De León. Castañeda De León war Ende der 1970er Jahre ein bekannter Aktivist der Studentenbewegung gegen die damalige Diktatur und wurde am 20. Oktober 1978 nach einer Demonstration erschossen. Am Montag hätte De León seinen 71. Geburtstag gefeiert.
Die Demonstrationen wandten sich gegen fortgesetzte Vertreibungen und die ungelöste Landfrage. Die Landverteilung in Guatemala gehört zu den ungleichsten in Lateinamerika. Nach Amtsantritt der sozialdemokratischen Regierung von Präsident Bernardo Arévalo hatten die Landarbeiterorganisationen CCDA und CUC (Komitee für Bauerneinheit) mit zwei weiteren Kleinbauernverbänden am 7. Februar 2024 ein Abkommen zu Agrarfragen mit der Regierung unterschrieben. Sie kritisieren jedoch, dass das Abkommen bisher kaum umgesetzt worden sei. Nach Angaben der Organisationen habe das letzte Treffen im August 2025 stattgefunden, seitdem sei der Dialog von Seiten der Regierung abgebrochen worden.
Ferner standen bei den Demonstrierenden die Stromversorgung und die hohen Stromrechnungen im Fokus. Der Strom wurde bereits 1998 größtenteils privatisiert. Der Strom ist in ländlichen Regionen noch teurer als in Ballungsgebieten. Als Form des Widerstandes zahlt ein Teil der Gemeinden, die in Codeca organisiert sind, kollektiv keine Stromrechnungen an die privaten Stromversorger und fordern deren Nationalisierung. Nur in der zweitgrößten Stadt Quetzaltenango ist der Strom nicht in privater Hand und wird seit 1919 von einem kommunalen Unternehmen, der Empresa Elétrica Municipal de Quetzaltengo (EEMQ), betrieben. Die Kosten für die Verbraucher sind niedriger als im Rest des Landes. Allerdings sorgen recht häufige Stromausfälle für Unmut in der Bevölkerung. Beobachter befürchten, dass das Stromnetz bewusst in schlechtem Zustand gehalten wird, um eine Privatisierung durchzusetzen. Offiziell gibt es allerdings laut EEMQ keine Privatisierungspläne.
Der 12. Oktober wird in Kalendern in Guatemala weiter als Día de la Hispanidad (Tag der Hispanität) bezeichnet, nach einem Erlass der Regierung von 1995 auch als Día de la Unidad Nacional (Tag der Nationalen Einheit). Von indigenen Organisationen werden in Guatemala, dem Land neben Bolivien mit dem höchsten Anteil Indigener, immer wieder Demonstrationen organisiert und der Tag als Tag des Indigenen Widerstand etabliert.
2021 geriet eine Demonstration in die Schlagzeilen. Auf einer Demonstration des CUC am 12. Oktober wurde ein Denkmal des früheren Präsidenten José Maria Reina Barrios beschädigt. Barrios hatte als zentraler Vertreter des Liberalismus im 19. Jahrhundert in Guatemala Anteil am Raub von indigenem Gemeindeland und einem Zwangsarbeitssystem für Indigene auf den großen Fincas. Der damals 23-jährige Rudy Amilcar Lopéz Pablo, ein Maurer aus dem Departamento Huehuetenango, wurde noch auf der Demonstration verhaftet. Lopéz wurde wegen Beschädigung nationaler Kulturgüter angeklagt, allerdings 2023 freigesprochen. Durch den Fall wurden damals Ansätze einer Diskussion über koloniale Denkmäler in Gang gesetzt.


