Argentinien und Brasilien bauen gemeinsam Atomreaktoren

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Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández und der frühere Präsident Brasiliens, Lula da Silva, beschlossen 2008 die atomare Zusammenarbeit
Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández und der frühere Präsident Brasiliens, Lula da Silva, beschlossen 2008 die atomare Zusammenarbeit

Río de Janeiro. Die Regierungen von Argentinien und Brasilien haben am Montag in Río de Janeiro eine bilaterale Vereinbarung über die Zusammenarbeit beim Bau eines brasilianischen Atomreaktors abgeschlossen. Die Vereinbarung beinhaltet außerdem für einen späteren Zeitpunkt den Bau eines "Zwillings-Reaktors" auf argentinischem Boden, der ebenfalls gemeinsam durchgeführt werden soll.

Nach Angaben des argentinischen Außenministeriums schließt Brasilien einen Vertrag mit dem staatlichen argentinischen Atom-Unternehmen INVAP ab. Das Geschäft belaufe sich auf 11,5 Millionen US-Dollar. Ingenieure und andere Fachleute aus Argentinien werden beim Bau des Reaktors mitarbeiten.

Das Projekt wurde bereits 2008 zwischen dem damaligen Präsidenten Brasiliens Luiz Inácio Lula da Silva und Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández vereinbart. Umgesetzt wird es im Rahmen des "Bilateralen Mechanismus der Integration und Kooperation Argentinien-Brasilien" (Micba), die von der gemeinsamen Kommission für Atomenergie (Coben) angeregt wurde, um die Beziehungen in diesem Bereich zu optimieren.

Dadurch wurde bereits die Lieferung des Radionuklid Molibdeno 99 für die Verwendung im mezinischen Bereich an Brasilien ermöglicht. Seitdem liefert Argentinien an Brasilien 30 Prozent seines Bedarfs an Radionukliden, das zur Diagnose und Behandlung von Krebs eingesetzt wird.

Im Jahr 2011 kamen die Regierungen beider Länder überein, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Mehrzweck-Reaktoren zu verstärken. Atomenergie solle zur ausschließlich "friedlichen Nutzung" entwickelt werden, heißt es. Beide Länder haben den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, in dem Südamerika zur atomwaffenfreien Zone erklärt wird. Zusätzlich zu den zwei bereits bestehenden Nuklearkraftwerken plant die brasilianische Regierung den Bau vier weiterer Reaktoren bis zum Jahr 2030. In Argentinien sind derzeit drei Kernkraftwerke am Netz.

Nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 wurde in Lateinamerika die Diskussion um Atomkraft wieder verstärkt geführt. Auch in Argentinien und Brasilien bekräftigten Kernkraftgegner ihre Kritik. Die Regierungen Boliviens und Venezuelas entschieden, ganz auf die Atomkraft zu verzichten.

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