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Zwangsräumungen wegen WM und Olympia in Brasilien angeprangert

Rote Karte für Räumungen

Rote Karte für Räumungen!

Quelle: Comitê Popular Rio da Copa e das Olimpíadas: http://comitepopulario.files.wordpress.com/2013/05/dossie_comitepopularcoparj_2013.pdf

Rio de Janeiro/Berlin. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Brasiliens Vorgehen der Zwangsräumungen für die Baumaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft 2014 und zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro kritisiert. "In Brasilien werfen die Fußballweltmeisterschaft und die Olympischen Spiele ihre Schatten voraus: 2012 wurden dort zahlreiche Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben, um Platz für Infrastrukturprojekte zu schaffen oder um der Welt im Zuge der Sportereignisse ein geschöntes Bild des Landes zu zeigen", erklärte Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty in Deutschland, bei der Vorstellung des Jahresberichtes zur weltweiten Lage der Menschenrechte 2012. Der Report nennt die Räumungen explizit "Zwangsräumungen" und beklagt, dass den Bewohnern nicht hinreichend Zeit gelassen und diese nicht zureichend informiert wurden. Angemessene Verhandlungen seitens der Behörden hätten nicht stattgefunden.

Die Vorwürfe, in Brasilien würden Bewohner für die Baumaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft vertrieben, sind nicht neu. Erst Anfang Mai hatten die Basiskomitees zu WM und Olympischen Spielen eine Neuauflage ihres Dossiers zu Mega-Events und Menschenrechtsverletzungen herausgebracht. Schon in der Ausgabe von 2011 hatten die Lokalkomitees darauf hingewiesen, dass in Brasilien im Zuge von Fußballweltmeisterschaft und Olympischen Spielen bis zu 170.000 Menschen von Räumung bedroht sind.

Die Politik in Brasilien zeigte sich von dieser Kritik bislang unbeeindruckt. Beispielhaft dafür steht der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes. Dieser hatte im März 2012 im Gespräch mit der BBC offen erklärt: "Die Olympischen Spiele sind ein phantastischer Vorwand, um Rio zu ändern".

Thiago Hoshino vom lokalen Basiskomitee in Curitiba sieht als Folge der kommenden Fußballweltmeisterschaft in Brasilien den Versuch von Politik und Kommerz, eine grundlegende Umstrukturierung der Städte zu erreichen: "D‪ie Ausrichtung eines solchen Großevents wie WM bewirkt Brüche in der Gesellschaft, politische, soziale und territoriale", so Hoshino im Gespräch mit amerika21.de. "Und für die Wirtschaft, für die Immobilienbesitzer, diejenigen, die die Möglichkeiten haben, sich Rechts- und Landtitel zu besorgen und schon immer das Recht auf ihrer Seite wußten, für diese bahnt sich der große Reibach an", erläutert Hoshino. So treffen in den Ausrichter-Städten der WM Immobilienspekulation auf Gentrifizierung – und die Armen werden vertrieben.

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