US-Botschafter lobt Demokratie in Paraguay

Botschafter vergleicht Paraguay mit USA. Soziale Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen nehmen zu

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Der Botschafter der USA in Paraguay, James Thessin
Der Botschafter der USA in Paraguay, James Thessin

Asunción. Während der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten hat der US-Botschafter in Paraguay, James Thessin, den Zustand der Demokratie in dem südamerikanischen Land gelobt.

Thessin lud den neugewählten Präsidenten Paraguays, Horacio Cartes, und den noch amtierenden De-facto-Präsidenten, Federico Franco, zu einer Feier in seine Residenz in Asunción ein. Anwesend waren ebenfalls hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Justiz, sowie "besondere Gäste", wie die Tageszeitung ABC Color berichtet.

Während seiner Ansprache betonte der Botschafter seine Genugtuung über die funktionierende Demokratie und die fortwährende wirtschaftliche Entwicklung Paraguays. In den zwei Jahren seiner Botschaftertätigkeit habe er in Paraguay gesehen, dass das Land genauso wie die USA verstanden habe, "wie die Demokratie durch Krieg und die Qualität ihrer Führer geformt wird", zitiert ihn die Tageszeitung weiter.

Thessin versicherte, dass die USA auch weiterhin das südamerikanische Land mit ganzer Kraft beim Kampf gegen die Armut, bei der Stärkung der Institutionen und der Zivilgesellschaft unterstützen werden. Besonderen Wert legte er auch auf die Vertiefung der Handelsbeziehungen zu Paraguay und den Ausbau der Investitionen im Land.

Paraguay ist eines der Länder mit der höchsten Anzahl von unterernährten Menschen in der Welt. Unter den Ländern Südamerikas belegt es den letzten Platz, wie aus der diesjährigen Karte des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) hervorgeht. 1,6 Millionen Menschen, das ist ein Viertel der Bevölkerung, können sich nicht ausreichend ernähren. Nach dem aktuellen Bericht der Wirtschaftskommission der UNO für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) beträgt die Armutsrate im Land 49,6 Prozent.

Große Ungleichheit besteht bei der Landverteilung. Etwa 85 Prozent der Fläche befinden sich in den Händen von rund zwei Prozent der Bewohner Paraguays, wovon sich annähernd 25 Prozent in ausländischem Besitz befinden. Die soziale Ungerechtigkeit nimmt weiter zu. Während Soja-, Getreide-und Rindfleischexporte jährliche Steigerungsraten verzeichnen, wurde die Sojasteuer als eine der ersten Maßnahmen von De-facto-Präsident Franco aufgehoben.

Eine gute Zeit ist hingegen für Großinvestoren und multinationale Konzerne angebrochen. Die Verhandlungen mit Rio Tinto Alcan wurden kurz nach der Machtübernahme durch die Radikal-Liberale Partei (PLRA) im Jahr 2012 wieder aufgenommen. Auch President Energy Paraguay, eine Fusion zwischen der britisch-amerikanischen Pirity Hidrocarburos S.R.L. und der Crescent Global Oil Paraguay mit Hauptsitz in Texas, erhielt erst unter De-facto-Präsident Franco  seine Konzession für 1,6 Millionen Hektar im Pirity Becken, unmittelbar an der Grenze zu Argentinien, zurück.

Seit dem parlamentarischen Putsch im Juni 2012 gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Fernando Lugo sind Menschenrechtsverletzungen erneut allgegenwärtig. Linksgerichtete Medienvertreter werden in ihrer Arbeit durch polizeiliche Willkür behindert, der einzige staatliche Fernsehsender, eröffnet im Jahr 2011, mit regierungstreuen Mitarbeitern besetzt. Die zahlreichen Landlosen-und Kleinbauernbewegungen werden in ihrem Kampf um eigenes Land kriminalisiert, zwei führende Aktivisten wurden ermordet. Diese Morde, ebenso wie das Massaker von Curuguaty, das zum Sturz von Fernando Lugo führte, sind bis heute nicht aufgeklärt.

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