Honduras / Politik

Honduras Ex-Botschafter warnt vor Wahlfälschung

Offener Brief an Vertreter von Politik und Zivilgesellschaft in Deutschland. Roberto Martínez warnt vor Wahlfälschung und Unruhen

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Roberto Martínez Castañeda
Roberto Martínez Castañeda

Berlin/Tegucigalpa. Wenige Tage vor den von Gewalt überschatteten Präsidentschaftswahlen an diesem Sonntag in Honduras hat der ehemalige Botschafter des mittelamerikanischen Landes, Roberto Martínez Castañeda, politische Vertreter in Deutschland zur Unterstützung der Demokratie aufgerufen. Martínez war bis zum Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya am 28. Juni 2009 Botschafter seines Landes in Berlin und wurde nach dem Umsturz durch regimetreue Kräfte ersetzt. Nun arbeitet er für die Wahlkampagne der linksgerichteten Partei LIBRE, deren Kandidatin Xiomara Castro de Zelaya sich an diesem Sonntag für das höchste Staatsamt bewirbt.

In seinem Brief, der amerika21.de vorliegt, erinnert Martínez an den Putsch vor vier Jahren. "Es folgten sechs Monate ununterbrochene soziale und politische Unruhen", heißt es in dem Schreiben. Die Situation habe sich erst beruhigt, als Porfirio Lobo achtzehn Monate später mit Zelaya ein Abkommen schloss, das von den Präsidenten von Kolumbien und Venezuela begleitet wurde. Zelaya kehrte daraufhin aus dem Exil mit allen politischen Rechten zurück.

"Seitdem hat sich die Lage des Landes wesentlich verschlechtert", schreibt Martínez. Die Sicherheitssituation sei besonders alarmierend. Statistisch gesehen komme heute in Honduras alle 70 Minuten ein Mensch gewaltsam ums Leben. Dies sei die höchste Mordrate weltweit. Nach Angaben der ehemaligen Polizeikommissarin Maria Luisa Borjas sind paramilitärische Gruppen für die Mehrheit dieser Morde verantwortlich.

Die Wahlen am 24. November seien für Honduras nun eine gute Gelegenheit, die Krise zu überwinden. "Es besteht aber die Gefahr, dass diese Wahlen manipuliert werden", schreibt der Ex-Botschafter. Undemokratische Ergebnisse würden aber nicht nur die Bevölkerung enttäuschen, sondern womöglich erneut in politische Unruhen münden. Honduras stehe daher vor einer "äußerst gefährlichen politischen Situation".

Martínez plädiert vor diesem Hintergrund dafür, dass deutsche Politiker und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen die Lage in dem mittelamerikanischen Land aufmerksam verfolgen, um "freie und demokratische Wahlen in der Republik Honduras" zu gewährleisten. "Ihre Äußerungen und demokratische Stellungnahmen zu diesem Thema werden sicherlich einen positiven Einfluss auf die honduranische Regierung haben", heißt es in dem Schreiben weiter.

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