Razzia befreit Sklavenarbeiter aus Textilfabrik in São Paulo

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Eine Peruanerin produziert in Brasilien Markenkleidung
Eine Peruanerin produziert in Brasilien Markenkleidung

São Paulo. Bei einer Kontrolle durch die zuständigen Behörden sind vor wenigen Tagen in einer Textilfabrik 19 aus Peru stammende Beschäftigte entdeckt worden, die dort unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten mussten. Darunter befand sich auch ein Minderjähriger. Die Fabrik produziert für die  Firma Unique Chic im Osten der brasilianischen Metropole São Paulo, dem größten Wirtschafts- und Finanzzentrum Lateinamerikas. Die Inspektion erfolgte, nachdem sich einer der Arbeiter hilfesuchend an das peruanische Konsulat gewandt hatte, das den Fall den staatlichen Stellen in São Paulo meldete.

Der Geschäftsführer des der Firma zugehörigen Büros, der die Ausweispapiere der Einwanderer einbehalten hatte, um sie an der Flucht aus dem Zwangsarbeitsverhältnis zu hindern, wurde in Haft genommen und das brasilianische Ministerium für Arbeit und Beschäftigung leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf Sklavenarbeit und Menschenhandel ein.

Die 2006 gegründete Firma war als Drittunternehmer für den Textilgroßhandel tätig. An der Razzia wirkten Justizbeamte, Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und Polizeikräfte mit. Die Gruppe der peruanischen Arbeiter war neben dem Entzug ihrer Dokumente auch mittels eines Systems zu ihrer Verschuldung faktisch der Sklaverei unterworfen und sie mussten weit über die zulässigen Arbeitszeiten hinaus produzieren. Außerdem wurden die Peruaner wiederholt bedroht und die vorgeschriebenen Sozialabgaben wurden nicht abgeführt.

Die aus ihrer Situation befreiten Arbeiter solidarisierten sich zunächst mit ihrem verhafteten Chef. Erst nach Aufklärung über die ihnen gesetzlich zustehenden Rechte, der Zusicherung, dass ihnen keine Abschiebung aus Brasilien drohe und dank kirchlichen Beistands, entschied sich die Mehrheit der Arbeiter dazu, mit den Behörden zu kooperieren. Fälle von Sklavenarbeit werden in der brasilianischen Textilbranche immer wieder entdeckt. 

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