Goodyear schließt Werk in Venezuela

venezuela_werk_goodyear.jpg

Die Reifenproduktion im geschlossenen Goodyear-Werk in Valencia solle jetzt von den Arbeitern weitergeführt werden
Die Reifenproduktion im geschlossenen Goodyear-Werk in Valencia solle jetzt von den Arbeitern weitergeführt werden

Valencia/Caracas. Der US-amerikanische Reifenkonzern Goodyear Tire & Rubber Company hat seine Aktivitäten in Venezuela eingestellt. Man habe "die schwierige Entscheidung getroffen, die Reifenproduktion zu stoppen", hieß es von Seiten der Unternehmensführung des weltweit drittgrößten Reifenherstellers. "Unser Ziel war, den Betrieb aufrechtzuerhalten, aber die Wirtschaftsbedingungen und die US-Sanktionen haben dies unmöglich gemacht."

Die von der US-Regierung verhängten Finanzsanktionen haben die Möglichkeiten Venezuelas, Staatsschulden und Anleihen der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA zu bedienen und zu refinanzieren, stark eingeschränkt. Zudem weigern sich internationale Banken zunehmend, als Vermittler für Finanztransaktionen zu fungieren. Dies hindert transnationale Firmen im Land tätig zu werden.

Mehrere multinationale Konzerne haben in jüngster Zeit ihre Aktivitäten in Venezuela eingestellt, aber erstmals hat ein Unternehmen ausdrücklich die Sanktionen als Faktor benannt, der das Geschäft behindert.

Die 1.160 Arbeiter der Goodyear-Niederlassung in Valencia im Bundesstaat Carabobo wurden offenbar von der Entscheidung des Managements überrascht. Gewerkschaftsvertreter sagten gegenüber der Presse, das Unternehmen arbeite zwar deutlich unter der Kapazitätsgrenze, verfüge aber über ausreichend Rohmaterialien, um weiter zu produzieren.

Arbeiter von Goodyear und anderer Reifenproduzenten in Valencia hatten im Juni dieses Jahres für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen protestiert und dabei auch das niedrige Produktionsniveau kritisiert. Bereits 2016 prangerten Goodyear-Mitarbeiter öffentlich an, dass die Betriebsleitung die Produktion bewusst sabotiere, indem sie die Rohmaterialien verkommen lässt.

Reifen und Autoteile sind in Venezuela aufgrund der zusammenbrechenden Produktion in den letzten Jahren und eines wachsenden Schwarzmarktes immer knapper und teurer geworden. Dies belastet wiederum das Transportwesen.

Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro hat die Entscheidung von Goodyear scharf kritisiert und angekündigt, die Produktion "gemäß der Arbeitsgesetzgebung" wieder aufzunehmen und Maßnahmen zum Schutz der 1.160 Arbeitsplätze zu ergreifen. Die Schließung des Werkes stelle einen "Angriff auf die nationale Wirtschaft" dar. Die Generalstaatsanwaltschaft solle ein Verfahren gegen die Konzernchefs und die Manager des Werks in Valencia einleiten, heißt es in dem Kommuniqué.

Das seit Jahr 2013 geltende Arbeitsgesetz Venezuelas sichert Arbeiternehmern das Recht zu, mit Unterstützung der Regierung die von ihren Eigentümern aufgegebenen Produktionsmittel zu übernehmen.

Zu den Konzernen, die unlängst ihren Betrieb eingestellt haben, gehören Kellogs und Smurfit Kappa, Hersteller von Lebensmittel- bzw. Kartonverpackungen. In beiden Fällen sind die Arbeiter mit Unterstützung des Arbeitsministeriums eingeschritten, um Arbeitsplätze zu sichern und die Produktion aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2016 wurde ein Werk von Kimberley-Clark verstaatlicht. Das Unternehmen, einer der weltweit führenden Hygieneartikelhersteller, hatte sich abrupt aus dem Land zurückgezogen. Die Belegschaft führt die Produktion seitdem weiter.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr