Proteste in São Paulo reißen nicht ab

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Bei der Demonstration gegen die WM am vergangenen Donnerstag
Bei der Demonstration gegen die WM am vergangenen Donnerstag

São Paulo. Am vergangenen Donnerstag hat die vierte Demonstration gegen die WM in diesem Jahr in São Paulo stattgefunden. Wie die linksgerichtete Zeitung Brasil de Fato berichtet, zogen am Abend rund 1.000 Demonstranten über die Avenida Paulista zum Platz der Republik. Ebenso viele Polizisten begleiteten den Protest. Es kam weder zu Auseinandersetzungen noch zu Festnahmen.

Das Bündnis "Ohne Rechte wird es keine WM geben" ruft seit Anfang des Jahres zu Demonstrationen gegen die Auswirkungen des Sportevents auf. Auch Priester und Aktivist Lucio Lancelotti, der sich vor allem für die Rechte von Obdachlosen einsetzt, nahm an dem Protestzug teil. "Von der WM werden nur die profitieren, die immer gewinnen. Die Demonstration ist der Schrei der Bevölkerung  gegen dieses neoliberale System", sagte der 66-jährige im Gespräch mit amerika21.de.

Insgesamt sinkt jedoch die Beteiligung auf den Demonstrationen. Am 13. März, bei der vorangegangenen Demonstration, gingen noch 1.500 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Städten beteiligten sich am Donnerstag nur wenige an den Protesten, zu denen das Bündnis aufgerufen hatte. In Rio de Janeiro nahmen lediglich 50 Menschen teil. Unterdessen protestieren Stadtteil- und Besetzerorganisationen gegen die prekäre Wohnsituation in São Paulo, die sich laut den Aktivisten mit der WM noch verschärfe.

Am vergangenen Mittwoch führte die Wohnungslosenbewegung MTST eine Demonstration in São Paulo durch. Laut Presseberichten gingen rund 3.000 Menschen auf die Straße. Die Bewegung versucht mit Besetzungen städtischen Leerstand für obdachlose und arme Familien nutzbar zu machen und Zwangsräumungen entgegen zu wirken. Insbesondere der Status von Nova Palestina bleibt weiter ungeklärt. Rund 8.000 Familien wohnen auf dem besetzten Land im Süden der Stadt. "Die Stadtverwaltung hat immer gesagt es gäbe kein Geld, das Gelände zu kaufen. Für die WM werden jedoch Millionen ausgegeben", so der 43-jährige Ailton Ferreira dos Santos, der in Nova Palestina wohnt. Im Anschluss an die Demonstration trafen sich Vertreter der MTST mit Bürgermeister Fernando Haddad. Dieser versprach den Plan, auf dem besetzten Gelände einen Park zu errichten, zurückzunehmen, wenn das kommunale Parlament, die Câmera Municipal, das Gebiet als eine sogenannte soziale Sonderzone (ZEIS) freigibt.

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