Tödlicher Angriff auf Mitglieder der EZLN

Ein Toter und mehrere Verletzte bei Überfall durch anti-zapatistische Gruppe CIOAC. Generalstab der EZLN berät Reaktion auf die Vorkommnisse

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Grenze zu EZLN-Gebiet: "Hier regiert das Volk und die Regierung gehorcht."
Grenze zu EZLN-Gebiet: "Hier regiert das Volk und die Regierung gehorcht."

Mexiko-Stadt. Im Süden von Mexiko ist es erneut zu Angriffen auf Mitglieder der indigenen Widerstandsorganisation EZLN (Zapatistische Armee zur Nationalen Befreiung) gekommen. Nach Berichten mexikanischer Medien wurde am 2. Mai ein Basisaktivist der zapatistischen Bewegung, José Luis Solís López, von Anhängern der Organisation CIOAC (etwa: Unabhängige Gewerkschaft der Agrararbeiter und Bauern) ermordet. Den Angaben von Beobachtern zufolge gehören dieser anti-zapatistischen Organisation unter anderem Mitglieder der rechtskonservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN)  und der Grünen Partei Mexikos (PVEM) an.

Die Spannungen in der EZLN-Gemeinde La Realidad im Bundesstaat Chiapas hatten schon Mitte März zugenommen. Damals hatten sich CIOAC-Mitglieder eines LKWs der EZLN, der für die Belieferung mit Medikamenten in den zapatistische Gebieten benutzt wurde, bemächtigt. Zugleich hatten Aktivisten der Gruppierung offenbar die Trinkwasserzufuhr in das von der EZLN kontrollierte Gebiet unterbrochen.

Um den Konflikt mit den CIOAC-Anhängern friedlich zu lösen, wandten sich die Zapatisten an das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas in der Kleinstadt San Cristóbal. Diese Organisation ist in der Region seit 1989 präsent. Sie wurde von dem Bischof Samuel Ruiz, einem Vertreter der Befreiungstheologie, gegründet und setzt sich seitdem für die Menschenrechte der Indigenen in der Region ein.

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Als sich am 2. Mai Vertreter der Konfliktparteien sowie zwei Mitarbeiter des Menschenrechtszentrums in dem autonomen Gebiet der EZLN trafen, um über eine Lösung des Konflikts zu diskutierten, kam es wider Erwarten zur Eskalation. Nach Augenzeugenberichten erschien eine Gruppe von 15 CIOAC-Mitglieder mit Macheten, Stöcken und Schusswaffen bewaffnet, um die "Freilassung“ ihrer vermeintlich gefangen gehaltenen Vertreter zu fordern. Plötzlich seien rund 140 weitere Aktivisten der Organisation hinzugekommen und hätten damit begonnen, die Schule und die Arztpraxis der Zapatisten zu zerstören. Als rund 80 unbewaffnete Basisaktivisten der EZLN herbeieilten, seien sie von den CIOAC-Leute angegriffen worden. Dabei seien auch Schüsse gefallen. Insgesamt wurden 15 Zapatisten verletzt, einige von ihnen schwer. Das Todesopfer, José Luis Solís López, wurde von insgesamt drei Kugeln getroffen. Zudem wies der Aktivist schwere Gesichtsverletzungen durch eine Machete auf.

Das Menschenrechtszentrum dementierte in seinem Bericht über den Zwischenfall, dass die Angriffe von den EZLN-Anhängern ausgegangen seien. Dies hatte die in den Medien verbreitet. Die Zapatisten  bekräftigten in ihrem Kommuniqué, dass es sich bei dem Angriff der CIOAC-Leuten nicht um eine Konfrontation gehandelt habe, sondern um einen Angriff im Rahmen des sogenannten Krieges niedriger Intensität, den die mexikanische Regierung seit 1994 gegen die EZLN und ihre Unterstützer führte. Der Vorfall sei dem Generalstab der EZLN zur Kenntnis gegeben worden. Derzeit werden intern diskutiert, welche Maßnahmen ergriffen werden.

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