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Opfer der Diktatur in Guatemala kritisieren Leugnung von Genozid

"Gerechtigkeit: In Guatemala gab es einen Genozid" - Solidaritätskundgebung in Mexiko

"Gerechtigkeit: In Guatemala gab es einen Genozid" - Solidaritätskundgebung in Mexiko

Guatemala-Stadt. Opfer der Verbrechen der Militärdiktaturen in Guatemala (1960-1996) haben mit Entsetzen auf einen Entschluss des Kongresses reagiert, nach dem es in dem mittelamerikanischen Land in den achtziger Jahren keinen Genozid gegeben haben soll. Die Nachrichtenagentur AP zitiert Kritiker, nach denen die Entscheidung der rechtsgerichteten Parlamentsmehrheit rassistisch und illegal ist.

"Das ist eine Verhöhnung der Opfer, denn sie (die Entscheidungsträger) wollen lediglich die Straflosigkeit aufrecht erhalten, um die Wahrheit weiterhin zu verschleiern", sagte Benjamín Gerónimo, ein Vertreter der Mordopfer, die einen Prozess gegen den ehemaligen Militärdiktator Efraín Ríos Montt angestrengt hatten. Ríos Montt wird von ihnen beschuldigt, für zahlreiche Massaker an indigenen Bewohnern des Landes verantwortlich zu sein. Im Mai 2013 verurteilte ein so genanntes "Hochrisikotribunal" (Tribunal de Alto Riesgo) den Ex-Diktator wegen Völkermordes und anderer Verbrechen zu insgesamt 80 Jahren Haft. Das Verfassungsgericht hob das Urteil jedoch noch im selben Monat wieder auf.

Bestärkt wurde die Entrüstung von tausenden Nutzern, die über den Kurznachrichtendienst Twitter gegen die Entscheidung protestierten. Der Hashtag #sihubogenocidio (dt.: "Ja, es gab einen Völkermord") wurde dafür massiv genutzt.

Gerónimo, ein Überlebender des Konfliktes, der zahlreiche Familienangehörige verloren hat, kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Entscheidung des Kongresses zu ergreifen. Dies würde von mehreren Menschenrechtsorganisationen unterstützt.

Mit scharfer Kritik reagierte auch Diego Rivera, der Vorsitzende der Bewegung der Opfer im Norden von (der Region) Quiché. Das Urteil des Kongresses beleidige die Opfer der Diktaturen, die Gerechtigkeit fordern. "Der Völkermord kann nicht geleugnet werden, weil bislang 1.771 Leichen gefunden wurden", so Rivera. Die Haltung der Abgeordneten sei alleine rassistisch motiviert, weil sie das Leben von Indigenen geringer bewerteten.

Die Entscheidung im Parlament war von 87 Regierungs- und Oppositionsabgeordneten unterstützt worden. Das sind sechs mehr als nötig gewesen wären. Die Initiative war von dem Abgeordneten Luis Fernando Pérez von der Partei von Ríos Montt eingebracht worden.

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