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Argentiniens Präsidentin feiert Nationalelf, Reuters phantasiert

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Nicht irritiert: Argentinische Nationalspieler bei Präsidentin Christina Fernández
Nicht irritiert: Argentinische Nationalspieler bei Präsidentin Christina Fernández

Buenos Aires. Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft von ihren Fans in Berlin gefeiert wurde, hat Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández die zweitplatzierte Mannschaft in Buenos Aires empfangen. Nach Angaben der Tageszeitung Página12 lobte die Politikerin die Leistung der argentinischen Spieler. "Ihr habt wirklich wie Löwen gekämpft", sagte Fernández. Es habe sie "als Präsidentin von 40 Millionen Argentiniern mit großem Stolz erfüllt, mit welcher Kraft das Land verteidigt wurde".

In der argentinischen Presse wurde die Rede prominent behandelt, in der die Staatschefin den "Kampfeswillen" und die "Hingabe" der Nationalmannschaft lobte. Fernández hob zugleich deren Teamgeist hervor: "Man kommt nur in der Mannschaft weiter, während einzelne verlieren können", sagte sie: "Ihr habt ein Beispiel geboten, Werte neugeschaffen und vergessene Gefühle wiederbelebt", so Fernández, die eingestand, aus persönlichen Gründen kein Spiel gesehen zu haben. Die Politikerin war wegen gesundheitlicher Probleme nicht nach Brasilien gereist.

In krassem Widerspruch zu der Berichterstattung in Argentinien standen Berichte in der internationalen Presse. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete über eine angeblich "irritierende" Rede der Präsidentin. In der Meldung, die vom deutschen Nachrichtenportal Spiegel Online redaktionell noch einmal zugespitzt wurde, zitierte Reuters den Politikberater Felipe Noguera mit einer wenig schmeichelhaften Aussage. Das Eingeständnis der Präsidentin, die Fußballmatches nicht gesehen zu haben, "unterstreicht, dass sie immer mehr in ihrer eigenen Welt lebt".

Die Meldung mit Nogueras Kommentar wurde auf Englisch und Deutsch publiziert, fand auf Spanisch jedoch keine Verbreitung. Wohl auch, weil Noguera im spanischsprachigen Raum kein Unbekannter ist. Der Oxford-Absolvent organisiert seit Jahrzehnten Wahlkampagnen für die lateinamerikanische Rechte, in Argentinien gehörte er zu den Beratern des Ex-Präsidenten und verurteilten Straftäter Carlos Menem. Reuters und Spiegel Online erwähnten das nicht.

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