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10.09.2014 Venezuela / Kultur / Politik

Gedicht "Chávez Unser" sorgt weiter für Debatten

Verfasserin Estrella Uribe verteidigt das Poem gegen Kritik der Opposition und der katholischen Kirche
Bei den Trauerfeierlichkeiten für Hugo Chávez 2013 in Venezuela

Bei den Trauerfeierlichkeiten für Hugo Chávez 2013 in Venezuela

Quelle: flickr.com
Lizenz: CC by-sa 2.0

Caracas. Seit die sozialistische Politikerin Estrella Uribe auf dem Parteitag der in Venezuela regierenden Vereinten Sozialistischen Partei (PSUV) vor zwei Wochen eine Umdichtung des Gebetes "Vater Unser” präsentiert hat, sorgt das Poem für anhaltende Kontroversen. Nun schaltete sich der Präsident des südamerikanischen Landes, Nicolás Maduro, in die Debatte ein. Bei dem Text, der mit den Worten "Chávez unser, der du bist im Himmel" beginnt, handele es sich um ein an den Begründer der Bolivarischen Revolution gerichtetes Gedicht, so Maduro. Der Präsident reagierte damit auf Darstellungen der rechtsgerichteten Opposition, die den kurzen Text als Blasphemie scharf kritisiert hatte.

Auf dem Parteitag der PSUV hatten die Delegierten über Möglichkeiten diskutiert, die Rolle der Regierungspartei ideologisch zu stärken und die bestehenden Wirtschaftsprobleme des Landes kollektiv zu bewältigen. Bei den Debatten wurde deutlich, dass der im März vergangenen Jahres an den Folgen einer Krebserkrankung verstorbene Chávez von vielen Venezolanern verehrt wird und die wichtigste Identifikationsfigur der Sozialisten ist. Die Opposition wirft Partei und Regierung vor, einen Personenkult um den früheren Staatschef zu betreiben.

Diese Kritik wurde von dem Gedicht befeuert, das die Autorin jedoch verteidigte. Sie habe sich von Chávez´ berühmtem Ausspruch des "Por ahora" (etwa: "Vorerst") inspirieren lassen. Nach einem gescheiterten zivil-militärischen Aufstand am 4. Februar 1992 hatte Chávez die Verantwortung für die Aktion übernommen und zugleich gesagt, dass der Versuch einer Revolution nur "vorerst" gescheitert sei. Der Umsturzversuch gegen die neoliberale Regierung des Sozialdemokraten Carlos Andrés Pérez gilt als Zäsur in der jüngeren venezolanischen Geschichte.

Uribe sagte laut einem Bericht des lateinamerikanischen Nachrichtensenders Telesur zudem, dass sie mit dem gebetsartigen Gedicht Chávez’ Humanismus verdeutlichen wolle. "Ich möchte, dass man mich respektiert. Wenn ich damit Christen beleidigt haben sollte, so ist zu sagen, dass ein Christ ein Humanist ist und auch ich eine Humanistin bin. Unsere Werte kommen im Humanismus zum Ausdruck, den auch Chávez uns vermittelt hat", sagte sie.

Die Umdichtung des "Vater Unser”, das an zwei Stellen im Neuen Testament vorkommt, sorgte indes auch für Empörung bei der in Venezuela einflussreichen katholischen Kirche. Das Gebet gehöre den Christen in aller Welt und sei deshalb "unantastbar”, schrieb der Erzbischof von Caracas, Kardinal Jorge Urosa Savino, in einem Kommuniqué. Laut Urosa Savino dürfe das Gebet nicht verändert, manipuliert oder für politische Zwecke verwendet werden. "Symbole, Gebete und religiöse Aspekte der Katholiken müssen respektiert werden”, sagte er. Es sei ja auch nicht erlaubt, die Nationalhymne zu verändern.

Und hier nun der Text des Gedichtes auf Deutsch (Übersetzung: Klaus E. Lehmann):

 

Chávez unser, der du bist im Himmel;

auf der Erde, im Meer und in uns, den Delegierten;

Geheiligt werde dein Name;

Dein Erbe komme über uns, damit wir es zu den Völkern von hier und von dort tragen.

Gib uns heute dein Licht, damit es uns täglich leite;

Überlasse uns nicht der Versuchung des Kapitalismus;

Und erlöse uns von dem Übel der Oligarchie und dem Vergehen der Schmuggelei;

Denn wir vertreten das Heimatland, den Frieden und das Leben;

Von Jahrhundert zu Jahrhundert, Amen. Es lebe Chávez.

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