Tote bei Polizeieinsatz gegen "Colectivo" in Caracas

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Der Ort des Polizeieinsatzes
Der Ort des Polizeieinsatzes

Caracas. Die venezolanische Kriminalpolizei (CICPC) hat am Morgen des vergangenen Dienstags im Süden der venezolanischen Hauptstadt Caracas im Rahmen eines mehrstündigen Einsatzes fünf Männer erschossen. Unter den Sicherheitskräften gab es keine Opfer.

Während die Leitung der Polizei von einer Aktion im Rahmen von Ermittlungen in mehreren Mordfällen spricht, berichten Anwohner, dass die Opfer in der Nachbarschaft bekannt gewesen und alle Mitglieder einer der Regierung nahestehenden politischen und bewaffneten Basisgruppe gewesen seien, eines sogenannten Colectivo.

Nach Angaben des Sprechers der Kriminalpolizei, Douglas Rico, hatte am frühen Morgen eine Sondereinheit die Suche nach zwei Verdächtigen in einem Mordfall begonnen. Diese seien keine Mitglieder von "Colectivos" gewesen, sondern von "organisierten Gruppen, die im Stadtbereich von Caracas rauben, entführen und Morde begehen". Dabei seien die Einsatzkräfte unter Beschuss geraten, später seien drei Beamte als Geiseln genommen worden.

Die Ereignisse haben in Venezuela große Brisanz. Über den Verlauf des blutigen Einsatzes gibt es bislang kaum bestätigte Informationen. Noch am selben Tag forderte der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, eine "lückenlose Untersuchung" des Polizeieinsatzes. Die Justizbehörde schickte gleich drei Staatsanwälte zur Untersuchung an den Ort des opferreichen Einsatzes. Polizeisprecher Rico betonte in einer weiteren Erklärung, es gebe keinen Zusammenhang mit der Ermordung des PSUV-Abgeordneten Robert Serra und seiner Begleiterin María Herrera in der vergangenen Woche.

Die städtischen "Kollektive" haben in Venezuela eine lange Geschichte in der politischen und sozialen Organisierung der Armenviertel. In den vergangenen Jahren traten sie als besonders kämpferische Teile der vom verstorbenen ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez ins Leben gerufenen "Bolivarischen Bewegung" auf. Es gab aber auch immer wieder Beispiele für einen fließenden Übergang zur Bandendelinquenz.

Die Regierung Maduro verstärkte erst im vergangenen Monat die Programme zum Einsammeln nicht registrierter oder illegaler Waffen. Auch die "Kollektive" sind zur Abgabe ihrer Waffen verpflichtet. Bei einer öffentlichkeitswirksamen Übergabe beteiligten sich vor einem Jahr in Caracas etwa 100 dieser Gruppen. Waffen dürften nur in Händen der Streitkräfte, der Bolivarischen Milizen und der Polizei sein, heißt es von Seiten der Regierung, die sich auf entsprechende Gesetze beruft.

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