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Todesdrohungen gegen 100 Menschenrechtler in Kolumbien

Fragment der Drohmail der Águilas Negras

Fragment der Drohmail der Águilas Negras

Quelle: arcoiris.com.co

Bogotá. Die sogenannten Águilas Negras (Schwarze Adler) haben unlängst erneut 100 Menschenrechts- und Friedensaktivisten mit dem Tod bedroht. "Sie alle werden eine echte Vertreibung ins Jenseits erfahren", heißt es in der Email in Anspielung auf die Verteidiger von Vertriebenen. Dies ist in weniger als zwei Monaten das zweite Mal, dass Menschenrechtler massiv bedroht werden. Im September bekamen 185 von ihnen innerhalb von drei Tagen ähnliche Drohpamphlete (amerika21 berichtete).

Die Tatsache, dass es der Staatsanwaltschaft nicht gelang, den Ursprung der Emails zurückzuverfolgen, obwohl in den vergangenen vier Jahren 105 von 260 solcher Drohungen von der gleichen Email-Adresse der Águilas Negras verschickt worden seien, verwundert Alberto Yepes, einen der Adressaten. Er ist auch Mitglied der Menschenrechtskoordination Kolumbien-Europa (CCEEUU). Vor einigen Jahren, als die Söhne des Ex-Präsidenten Uribe per Internet bedroht wurden, seien die Absender in weniger als einer Woche gefunden worden, erinnerte Yepes.

Die Annährung an ein Post-Konflikt-Szenario durch die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und FARC-Guerilla sei der Grund für die beharrlichen Versuche, Menschenrechtsverteidiger einzuschüchtern. Denn gerade sie drängten auf die Festlegung von Rechenschaftsmechanismen für alle Personen, die Menschenrechtsverbrechen im Rahmen des Konfliktes begangen haben. Das heißt, wirklich alle, betont der Aktivist, auch die Angehörige von Staatsorganen.

Dort vermutet der Aktivist auch den Ursprung der Drohungen. "Águilas Negras" sei lediglich ein Etikett, unter dem staatliche Strukturen Schrecken verbreiten. Man hätte bisher keine existierenden Truppen von sogenannten Águilas Negras mit einem territorialen Bezug feststellen können. Die Nutzung dieses Etiketts sei schließlich "sehr bequem". Das könnte erklären, warum nicht eine einzige Ermittlung der Staatsanwaltschaft zu den rund 260 Drohungen gegen Menschenrechtler vorankomme. Yepes hofft, dass diesmal doch etwas passiert.

In dem Schriftstück der Águilas Negras wurde der linke Senator Iván Cepeda besonders erwähnt. Er verfolge und verleumde den besten Präsidenten der Geschichte Kolumbiens, nämlich Álvaro Uribe Vélez. Cepeda setzt sich entschieden für die Aufdeckung der Verbindungen zwischen Uribe und dem Paramilitarismus ein.

Den anderen Menschen auf der schwarzen Liste oder "den kommunistischen Schweinen", wie sie in der Mail bezeichnet werden, wollen die Águilas "helfen, aus der Politik zurückzutreten". Für Yepes steht allerdings außer Frage, dass "wir mit der Aufklärung der Strukturen weitermachen werden, die in Kolumbien Terror einsetzen."

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