Schüsse auf Uni-Campus in Mexiko-Stadt

Konflikte mit Studenten eskalieren weiter. Polizisten schießen auf Kommilitonen. Uniformierte waren illegal auf Hochschulgelände vorgedrungen

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Polizeiausweis von einem der beteiligten Angreifer
Polizeiausweis von einem der beteiligten Angreifer

Mexiko-Stadt. Auf dem Campus der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (UNAM) in Mexiko-Stadt ist es zu Zusammenstößen zwischen Polizeieinheiten und Hochschülern gekommen. Dabei sind zwei Studenten angeschossen worden.

Nach Angaben der Studierendenversammlung sind vier Zivilpolizisten in Begleitung von Universitätswachleuten bis zum Gebäude der Fakultät für Philosophie und Literatur gefahren, deren Auditorium seit Monaten von anarchistischen Studenten besetzt wird. Die Polizisten hätten die Aktivisten ohne deren Zustimmung fotografiert. Daraufhin sollen die Studenten von den Polizisten verlangt haben, sich auszuweisen und das Fotografieren zu unterlassen. Als diese auf die Forderung nicht reagierten, eskalierte der Streit nach Zeugenaussagen. Einer der Polizisten habe seine Waffe gezogen und mehrmals in Richtung der Studenten geschossen. Daraufhin flohen drei der Uniformierten in einem Taxi und der vierte zu Fuß. Auf seiner Flucht habe dieser Polizist erneut auf die Studenten geschossen und dabei den Geschichtsstudenten Miguel Angel Ordaz San Agustin sowie einen weiteren Studenten schwer verletzt.

Nach Angaben der Polizei wurden die Uniformierten von zwei Sachverständigen und einem Anwalt begleitet, um wegen eines geraubten Handys zu ermitteln. Sie hätten sich "verteidigen müssen", als sie von den Studenten angegriffen wurden. Die Leitung der UNAM hat eine Erklärung herausgegeben, in der die Version der Staatsanwaltschaft (PGJDF) über die behördlichen Ermittlungen gestützt wird.

Nur Minuten nach dem Zwischenfall haben sich nach Medienberichten rund 500 Polizisten vor dem Campus positioniert. Die Studenten verbarrikadierten die Eingänge und griffen die Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen an. Kurz vor Mitternacht zogen sich die Polizeibeamten zurück. Das Online-Nachrichteportal Animalpolitico.com berichtete über sechs verletzte Polizisten, von denen einer stationär behandelt werden musste. Die alternative Nachrichtenagentur Subversiones schreibt hingegen, dass es keine verletzten Polizisten gegeben habe, weder bei den Zusammenstößen am Samstagvormittag noch am Abend desselben Tages.

Wenige Stunden nach den Ereignissen entschuldigte sich der Staatssekretär von Mexiko-Stadt bei den Studenten für den Zwischenfall. José Narro Robles, Rektor der UNAM, verurteilte die Präsenz von Polizisten auf dem Campus, unterstützte aber die offizielle Aussage der Polizisten.

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Die Menschenrechtskommission von Mexiko-Stadt (CDHDF), die Menschenrechtsorganisation Comité Cerezo sowie das Nationale Netzwerk gegen Unterdrückung (RvsR) haben in Kommuniqués die Anwesenheit von Polizei auf den Campus sowie die Haltung der Unileitung scharf kritisiert.

Innenminister Osorio Chong bezeichnete die Ereignisse auf dem Campus indes als "fahrlässige Reaktion, die nie wieder vorkommen soll. Die Regierung bedauert dies sehr".

Es ist nicht das erste Mal, dass die Studenten in Mexiko von Polizisten eingeschüchtert werden. Bereits im Oktober dieses Jahres hatte das Comité Cerezo erklärt, dass in mehreren Fakultäten unerlaubt installierte Videokameras gefunden wurden. Sie waren vor allem dort installiert, wo studentischen Versammlungen stattfinden.

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