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Ecuadors Präsident Correa fordert soziale Klimaschutzpolitik

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Rafael Correa während einer Unterredung mit Papst Franziskus
Rafael Correa während einer Unterredung mit Papst Franziskus

Vatikanstadt. Ecuadors Präsident Rafael Correa hat bei einer gemeinsamen Konferenz der UNO und des Vatikans ein Konzept zum Kampf gegen den Klimawandel vorgestellt. Im Kern des Vorhabens steht das ENE-Konzept, auf Deutsch etwa die "vermiedenen CO2-Nettoemissionen". Es geht von einer gemeinsamen Verantwortung für die Krise aus, wobei die Bedingungen in den Ländern unterschiedlich bewertet werden. Die Hauptverursacher der Klimakrise durch den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) seien die Industriestaaten, so Correa. Dementsprechend müssten sie auch mehr Kompensationsleistungen beitragen. Bewohner eines reichen Landes produzierten im Schnitt 38 Prozent mehr CO2 als Bewohner in armen Ländern. Die bisher verursachten Schäden bezeichnete Correa als ökologische Schuld der Industrieländer, für die es einen Ausgleich geben müsse. Dabei gehe es nicht vorrangig um Geld, sondern darum, dass weitere Schäden vermieden und verursachte Schäden beseitigt werden.

Weiter sieht das Konzept einen Ausgleich für Entwicklungs- und Schwellenländer durch den kostenlosen Transfer von Technologie und Wissen vor, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Zudem soll die Wirtschaft der regenerativen Energien in den Ländern des Südens gefördert werden.

Correa bezeichnete es als notwendig, dass ärmere Staaten bei dem Verzicht auf Rohstoffförderung oder dem Schutz des Ökosystems eine angemessene Kompensation erhalten. Er führte das Projekt Yasuni-ITT an, das vorsah, Erdöl im Boden zu belassen, um den Urwald zu schützen und CO2 zu vermeiden. Die internationale Gemeinschaft war jedoch nicht bereit, entsprechende Ausgleichszahlungen zu leisten.

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Außerdem schlug der Präsident eine neue Steuer auf Erdöl vor. Das eingenommene Geld könne die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) verwalten. Die Mittel sollten den armen Ländern zugutekommen und Schäden durch den Klimawandel beseitigen sowie Schutzmaßnahmen gewährleisten. Die Anerkennung des ENE-Konzepts könnte den ärmeren Ländern eine Entwicklung ermöglichen, die sowohl die Armut bekämpfe als auch die Umwelt schone.

Auch ein neues Verständnis des Entwicklungsbegriffs forderte Correa. Dabei gehe es nicht um die Bemessung der Entwicklung nach dem Bruttoinlandsprodukt, sondern um ein Leben in Würde und die Befriedigung der Grundbedürfnisse.

Die Konferenz im Vatikan diente der Vorbereitung einer päpstlichen Enzyklika zum Thema Klimawandel. Correa war der einzige geladene Staatsgast. In Paris findet ab dem 30. Dezember der 21. Klimagipfel (COP21) der Vereinten Nationen statt. Bisher verhinderten die Differenzen zwischen den Ländern verbindliche Regeln zur Bekämpfung des Klimawandels.

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