Mordwelle gegen Indigene in Kolumbien

Eskalation der Gewalt seit Beginn der Landbesetzungen im Dezember. Täter bewegen sich trotz starker Militarisierung im Südwesten des Landes frei

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Allein in der zweiten Aprilwoche sind sieben Nasa-Indigene ermordet worden
Allein in der zweiten Aprilwoche sind sieben Nasa-Indigene ermordet worden

Popayán, Cauca. Die Nasa-Indigenen im Departamento Cauca sind wegen einer Welle von Morden und Todesdrohungen gegen Mitglieder ihrer Gemeinden alarmiert. Seit Anfang dieses Jahres wurden 15 Nasas getötet. 13 von ihnen waren zuvor von Unbekannten verschleppt und Tage später mit Folterspuren tot aufgefunden worden. In den zwei weiteren Fällen wurden die Opfer von der Armee erschossen. Die Leichen von zwei der verschleppten Nasas sind in diesem Monat gefunden worden.

Die Gewaltsituation im Norden Caucas ist nach dem Beginn der Landbesetzungsaktionen eskaliert. Mitte Dezember 2014 hatten indigene Gemeinden die ersten Landgüter als Teil der Kampagne "Befreiung der Mutter Erde" besetzt. Im Februar kam es zu weiteren friedlichen Besetzungen. "Die multinationalen Zuckerrohrunternehmen machen mit dem Geschäfte, was uns gehört", sagte Feliciano Valencia, Sprecher der Nasa, bezüglich der besetzten Ländereien, die ihnen zustehen sollen.

Die Nasa verfügen über circa 600.000 Hektar Land im Cauca, doch das meiste davon liegt im Gebirge. Die fruchtbarsten, flachen Grundstücke sind in den Händen von Agrarunternehmen. Um genügend Nahrungsmittel für die circa 150.000 Gemeindemitglieder zu garantieren, fordern sie nun 20.000 Hektar Land. Dementsprechend nutzen die Nasa die besetzten Landgüter für den Anbau von Lebensmitteln.

Um die Besetzungen zu beenden, setzte die Regierung die Spezialeinheit zur Aufstandsbekämpfung ESMAD und Ende Februar das Militär ein (amerika21 berichtete). Die Angriffe gegen die besetzenden Gemeinden haben sich im März wiederholt. Dabei  wurde der Nasa-Angehörige Guillermo Pavi erschossen und mehr als 200 Indigene wurden verletzt.

Ein weiteres Opfer der Sicherheitskräfte war Gersain Fernández. Ein Berufssoldat hat bei einem friedlichen Gespräch auf ihn geschossen. Das Abfeuern seiner Waffe soll "ein Unfall" gewesen sein, so das Kommuniqué der Militäreinheit, zu der der Soldat gehört.

Doch nicht nur vom Militär sind die Gemeinden attackiert worden. Im Februar erhielten sie Flugblätter der paramilitärischen "Schwarzen Adler", in denen "soziale Säuberungen" angekündigt wurden. Kurz danach begannen die Verschleppungen und die Morde  durch maskierte Männer, die Geländewagen mit getönten Scheiben fuhren. Für die Indigenen sei verwunderlich, dass die bewaffneten Unbekannten die Opfer an Orte entführt haben, die nahe bei Militärsperren liegen und dass sie sich überhaupt in ihren Wagen dort freibewegen können. Die Militarisierung des Gebietes ist nach einem Gefecht zwischen FARC-Guerilla und Streitkräften im April, bei dem elf Soldaten starben, weiter gestiegen. Die Morde an Indigenen durch mutmaßliche Paramilitärs haben allerdings nicht aufgehört.

Im Laufe der Geschichte des Kampfes der Nasa-Gemeinden um Land haben sich mehrere große Massaker ereignet. 1991 sind 20 Indigene erschossen worden, die an einer Landbesetzung teilnahmen. Paramilitärs und die Polizei waren dafür verantwortlich. Ebenso sind circa hundert Indigene durch die damaligen paramilitärischen "Selbstverteidigungsgruppen" AUC Anfang der 2000er Jahre ermordet worden.

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