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Militäroffensive in Kolumbien gegen die Farc-Guerilla

Alternative kolumbianische Medien werfen Santos "Uribisierung" des Friedensprozesses vor und zweifeln Absichten des Präsidenten an
Auf Befehl von Präsident Santos führen die Streitkräfte ständig Offensiven gegen die Farc-Guerilla durch

Auf Befehl von Präsident Santos führen die Streitkräfte ständig Offensiven gegen die Farc-Guerilla durch

Bogotá. Nach offiziellen Angaben sind in Kolumbien in den vergangenen zehn Tagen bei Militäroffensiven der Streitkräfte in Zusammenarbeit mit der Polizei 39 Menschen getötet worden. Zwei der Opfer waren demnach Bauern, 37 Angehörige der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc), unter ihnen ein Delegierter der Guerilla bei den laufenden Friedensgesprächen mit der Regierung. 436 Personen sind vertrieben worden, zwei Menschen haben Morddrohungen erhalten.

Die Offensiven des Militärs finden trotz laufender Verhandlungen in der kubanischen Hauptstadt Havanna statt.

Bereits am 15. Mai 2015 wurde in Guapi, im Bundesstaat Cauca, ein mutmaßliches Guerillalager bombardiert und mehrere Menschen getötet. Nach Angaben der Farc befindet sich unter den in Guapi Getöteten Jairo Martínez, der seit Februar 2014 an den Verhandlungen zwischen Guerilla und Regierung von Präsident Juan Manuel Santos in Havanna beteiligt ist. Er hielt sich in dem Lager auf, um die Guerilleros über den Friedensprozess zu informieren und mit ihnen zu diskutieren. Bei einer Bombardierung am 23. Mai in Antioquia kamen zehn Rebellen ums Leben und am selben Tag wurden bei Angriffen gegen die Guerilla in Segovia zwei Bauern getötet und mehrere schwer verletzt.

Jairo Martínez nahm als Delegierter der Farc an den Friedensgesprächen in Havanna teil

Quelle: pazfarc-ep.org

Allein in Guapi sind wegen der Bombenangriffe des Militärs über 96 Familien auf der Flucht, darunter mindestens 95 Kinder. Verlässliche Angaben zur Situation nach den Bombardierungen in Antioquia liegen nicht vor. In Cauca wurden zudem in den Tagen vor, während und nach den Angriffen mehrere Mitglieder sozialer Bewegungen von Paramilitärs als Angehörige der Guerillera bezeichnet und mit dem Tod bedroht.

Seit dem 15. März, als Präsident Santos die Wiederaufnahme der Bombardierungen mutmaßlicher Stellungen und Lager der Farc befahl, haben die gewaltsamen Vertreibungen wieder massiv zugenommen. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) waren Anfang April bereits mehr als 176 Familien indigener und afrokolumbianischer Gemeinden aus den umkämpften Zonen in die Kreisstadt Guapi geflohen. Die UN schätzen, dass seit Beginn der Gespräche in Havanna im November 2012 jeden Monat etwa 16.400 Menschen vertrieben wurden.

Ein Vertreter der Stiftung "Frieden und Versöhung" (Paz y Reconciliación), Ariel Ávila, wies auf die seit Beginn der Friedensverhandlungen unveränderten Zahlen der Angriffe gegen mutmaßliche Guerilla-Mitglieder hin. Seitens der Farc hingegen sei statistisch eine sinkende Zahl von Angriffen zu verzeichnen. In Anlehnung an die massive Politik der "harten Hand" und der "Null-Toleranz" des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe sprechen soziale Organisationen und alternative Medien wie das Nachrichtenportal Colombia Informa von einer "Uribisierung" der Strategie von Santos. Die Möglichkeit von Fortschritten bei den Friedensverhandlungen wird von vielen Seiten immer wieder in Frage gestellt.

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