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01.08.2015 Chile / Menschenrechte

Präsidentin von Chile will Schweigen über Diktaturverbrechen beenden

Chiles Präsidentin, Michelle Bachelet, fordert Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen der Pinochet Diktatur

Chiles Präsidentin, Michelle Bachelet, fordert Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen der Pinochet Diktatur

Quelle: flickr.com
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Santiago de Chile. Die chilenische Präsidentin, Michelle Bachelet hat die Bevölkerung und Militärs dazu aufgerufen, Informationen über Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur Augusto Pinochets (1973-1990) offenzulegen. Dadurch sollen neue Gerichtsverhandlungen möglich werden. Bachelet nahm die Aussagen des ehemaligen Militärs Fernando Guzmán zum Anlass, der vergangene Woche über einen bekannten, durch Militärs verübten Mordfall Zeugnis abgelegt hatte. Durch seinen Bruch des Schweigens kann der Fall nun vor Gericht neu bearbeitet werden. Der Richter Mario Carozza hat die Festnahme von sieben ehemaligen Militärkadern angeordnet.

Der sogenannte "Caso quemados" (Fall der Verbrannten), über den Guzmán sprach, betrifft zwei Jugendliche, die im Jahr 1986 mit Benzin übergossen und angezündet wurden. Einer von ihnen, der Fotograf Rodrigo Rojas De Negri, starb an den Verbrennungen. Carmen Gloria Quintana überlebte mit schweren Brandwunden. Laut offiziellen Erklärungen des Militärs hatten die Jugendlichen Bomben mit sich getragen und selbst das Feuer entfacht. Die Aussagen Guzmáns bestätigen, was längst ein offenes Geheimnis war: Die Jugendlichen waren Opfer der Militärgewalt. Die Geschichte über die Bomben reiht sich ein in viele offizielle Erklärungen aus der Zeit der Diktatur, welche die Opfer von Hinrichtungen als "Terroristen" darstellten und ihren Tod oder ihr Verschwinden so zu erklären und vertuschen versuchten.

Guzmáns Aussagen bekräftigen Theorien darüber, dass ein Pakt des Schweigens (Ex-)Militärs auch nach der Diktatur Straffreiheit garantiert. Er berichtete, nach dem Vorfall seien die Beteiligten instruiert worden, das Geschehene als einen Unfall darzustellen. Als er 1987 Zweifel am Vorgehen des Militärs geäußert habe, sei  ihm bezahlter Ruhestand aufgrund einer Depression verordnet worden. Später habe er Drohungen erhalten.

Während der Diktatur Pinochets wurden über 30.000 Personen gefoltert, mehr als 3.000 exekutiert. Über Tausend "verschwanden": Sie wurden von staatlichen Akteuren entführt und umgebracht. Viele hochrangige Militärs aus der Zeit der Diktatur leben weiterhin straffrei, selbst wenn sie vielfach verurteilt wurden. Andere genießen privilegierte Behandlungen im Gefängnis.

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28.01.2015 Nachricht von Denis Mainka