Behörden in Mexiko vernehmen Gouverneur im Mordfall Espinosa

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Demonstranten mit einem Foto des ermordeten Espinosa und Schildern: "Javier Duarte - Mörder"
Demonstranten mit einem Foto des ermordeten Espinosa und Schildern: "Javier Duarte - Mörder"

Mexiko-Stadt. Nach dem Mord an dem Fotografen Rubén Espinosa und vier Frauen in der mexikanischen Hauptstadt wird nun der Gouverneur des Bundestaates Veracruz, Javier Duarte, verhört. Espinosa war am 31. Juli zusammen mit der Aktivistin Nadia Vera, der Studentin Yesenia Quiroz, der kolumbianischen Staatsbürgerin Mile Virginia Martin und der Hausangestellten Alejandra Negrete gefoltert und ermordet worden.

Wie der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Miguel Ángel Mancera bekanntgab, reiste ein Ermittlungsteam in den Bundesstaat im Osten des Landes. Es werde in alle Richtungen ermittelt, dazu gehöre auch ein mögliches politisches Motiv für die Morde an dem Fotoreporter und der Aktivistin.

Bislang wurde ein wegen Gewalttaten vorbestrafter Verdächtiger festgenommen. Er soll durch Fingerabdrücke am Tatort identifiziert worden sein. Er habe seine Anwesenheit bei den Morden gestanden und Informationen über zwei mutmaßliche, noch nicht gefasste Mittäter gegeben.

Sowohl Espinosa als auch Vera hatten die Regierung Duarte in der Vergangenheit direkt für Drohungen gegen sie verantwortlich gemacht. Der Fotograf, der unter anderem für das Wochenmagazin Proceso und die Fotoagentur Cuartoscuro über soziale Proteste berichtete, sah sich in Veracruz zuletzt derart gefährdet, dass er nach Mexiko-Stadt floh.

Gouverneur Duarte beteuerte auf Fragen des Radiosenders Fórmula am Montag, er habe der Regierung von Mexiko-Stadt seine Kooperation bei den Untersuchungen angeboten. "Es ist ein bedauerlicher und zu verurteilender Vorfall, aber er hat sich nicht in Veracruz ereignet", sagte Duarte. Einen Rücktritt schloss er aus. Seit seinem Amtsantritt Ende 2010 wurden laut der Menschenrechtsorganisation Artículo 19, die sich weltweit für das Recht auf Pressefreiheit einsetzt, allein in Veracruz 19 Medienschaffende getötet.

Nationale und internationale Organisationen, Angehörige der Opfer, Menschenrechtsorganisationen und mexikanische Medien fordern die Behörden auf, bei den Ermittlungen in dem fünffachen Mord einem Zusammenhang mit der politischen Korruption in Veracruz nachzugehen. Selbst die Delegation der Europäischen Union und der Botschaften der Mitgliedstaaten in Mexiko erwähnt in ihrem Kommuniqué zur Verurteilung der Morde die Zustände in diesem Bundesstaat. So werden unter anderem die Motive der Flucht Espinosas und der Tod des Journalisten Juan Mendoza Delgado benannt, der erst im Juni dieses Jahres in Veracruz entführt und getötet worden war. Die EU betont "die Wichtigkeit einer gründlichen und effektiven Untersuchung". Die Motive könnten auch mit "Meinungsfreiheit und Feminizid" in Verbindung stehen.

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