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23.09.2015 Chile / Kultur / Menschenrechte

Künstler bricht "Pakt des Schweigens" in Chile

Der Künstler und Aktivist Francisco Tapia wird Namen von Folterern der Pinochet-Diktatur veröffentlichen und dadurch den Schweigepakt des Valech-Berichts brechen

Der Künstler und Aktivist Francisco Tapia wird Namen von Folterern der Pinochet-Diktatur veröffentlichen und dadurch den Schweigepakt des Valech-Berichts brechen

Quelle: youtube.com

Santiago. In die nur schleppend vorangehende Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur kommt Bewegung – jedoch nicht von staatlicher Seite. Der chilenische Künstler und Aktivist Francisco Tapia, auch bekannt unter dem Künstlernamen "Papas Fritas", wird in einer Installation ab dem 26. September Namen von Folterern des Militärregimes, die bislang aufgrund eines Gesetzes unter Verschluss gehalten werden,  veröffentlichen.

Mit der Gründung einer Wahrheitskommission, die mit der Untersuchung von politischer Verfolgung und Folter während der Diktatur beauftragt wurde, war 2003 dreizehn Jahre nach Rückkehr zur Demokratie zwar der Grundstein für die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen gelegt worden. Die Tragweite der nach ihrem Vorsitzenden benannten Valech-Kommission wurde jedoch durch das bereits erwähnte Gesetz eingeschränkt: Es legte fest, dass der Abschlussbericht der Kommission zwar die Namen der Opfer und die gegen sie verübten Verbrechen, nicht aber die Namen der Verbrecher enthalten sollte. Dadurch wurden zwar bedingte Entschädigungszahlungen an die 40.018 Opfer, deren Zeugenaussagen vorlagen, nicht jedoch Verurteilungen der Schuldigen ermöglicht. Denn die kompletten Zeugenaussagen und somit die Namen der Folterer sollen erst 50 Jahre nach Veröffentlichung des Berichts deklassifiziert werden. Zu diesem Zeitpunkt wären alle Täter bereits verstorben.

Diesem historischen Tabu und der daraus resultierenden Straflosigkeit tritt Francisco Tapia mit seinem Projekt entgegen. Unter dem Motto "Die Erinnerung gehört uns" wurden in Zusammenarbeit mit einem Team von Sozialwissenschaftlern sowie ehemaligen politischen Gefangenen der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) Zeugenaussagen von Regimeopfern aufgenommen. Im Gegensatz zur staatlichen Aufarbeitung wurde allerdings in diesem Projekt die Identität der Opfer, nicht die der Täter geschützt: "Wir haben die Person, die ihre Aussage deklassifiziert, angewiesen, ihren eigenen Namen sowie Angaben, die Auskunft über ihre Identität geben könnte, zu schwärzen, jedoch die Folterzentren, die Namen der Folterer sowie die Namen oder Beschreibung jeglicher Personen, die in die Straftaten involviert gewesen sein könnte, stehen zu lassen", so Francisco Tapia.

Der Künstler "Papas Fritas" hatte bereits voriges Jahr für internationales Aufsehen gesorgt, als er in einer Performance Schuldscheine von Studenten einer privaten Universität im Wert von umgerechnet 500 Millionen US-Dollar verbrannt hatte.

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