Hungerstreik in Gefängnissen in Kolumbien

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Zeichnung eines politischen Gefangenen aus Kolumbien, im Vordergrund ein Gefängnisaufseher
Zeichnung eines politischen Gefangenen aus Kolumbien, im Vordergrund ein Gefängnisaufseher

Bogotá. Mehr als 200 politische Gefangene und Kriegsgefangene sind in Kolumbien im unbefristeten Hungerstreik, mehr als 1.500 weitere führen Aktionen des zivilen Ungehorsams durch. Die Proteste halten bereits seit zwei Wochen an.

Zum kolumbianischen Tag der politischen Gefangenen am 15. Oktober verfassten die Streikenden eine Botschaft mit ihren Forderungen. Der Sprecher der Gefangenen im Gefängnis Picota in Bogotá, Rene Nariño, erklärte dazu: "Die Verweigerung von medizinischer Versorgung hat bereits zum Tod vieler Genossen geführt. Besonders gravierend ist die Situation von Senioren und Behinderten sowie von schwangeren und stillenden Genossinnen und von Müttern". In den drei Jahren der Friedensverhandlungen habe es keine Verbesserungen gegeben, zudem würden die Begnadigungen wieder hinausgezögert. Ein Wandel im Strafvollzug sei jedoch Bedingung für einen möglichen Frieden.

Die Gefangenen fordern als Garantie für Veränderungen einen ständigen Dialog mit dem Hohen Kommissar für Frieden der Regierung und dem Repräsentanten der Vereinten Nationen in Kolumbien sowie mit Menschenrechtsorganisationen und einem Vertreter der Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) bei den Friedensverhandlungen. Außerdem verlangen sie das sofortige Ende der Auslieferungen an die USA.

Die Farc-Friedensdelegation in Havanna unterstützte die Forderungen in einer Videobotschaft und betonte, es sei ihr Ziel, die Gefangenen so schnell wie möglich wieder unter sich zu haben.

Am 15. Oktober ereigneten sich zwei emblematische Fälle, auf die von den Protestierenden Bezug genommen wird. Im Hochsicherheitstrakt von Palmira wurde der politische Gefangene Luis Eduardo Galvis von inhaftierten Paramilitärs mit dem Tod bedroht, angegriffen und mit Exkrementen beworfen. Die Gefängniswächter und das Sicherheitspersonal setzten ihn der Gefahr absichtlich aus, so ein Sprecher des Solidaritätskomitees CSPP. Im Gefängnis von Jamundí verstarb die 28-jährige Adriana Paula Bernal. Das CSPP äußerte gegenüber amerika21, dass die Todesursache Folter und Misshandlung sei. Sie verstarb nach einer "Sonderbehandlung" in einer Isolierungszelle, einem Käfig auf dem Gefängnishof. Der Gefängnisdirektor Oswaldo Bernal behauptet, die Gefangene hätte sich selbst umgebracht. Eine ordnungsgemäße Aufklärung der Fälle ist unmöglich, da unabhängigen Beobachtern und Menschenrechtsorganisationen der Zugang zu den Haftanstalten verweigert wird.

Der Protest in den Gefängnissen wird fortgesetzt.

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