Kolumbien / Politik

Farc und Regierung suchen gemeinsam Verschwundene in Kolumbien

Vereinbarung stößt auf breite Zustimmung. Rund 60.000 Menschen gelten im Kontext des sozialen bewaffneten Konflikts als verschwunden

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Angehörige von Verschwundenen bei einer Demonstration
Angehörige von Verschwundenen bei einer Demonstration

Havanna. Bei den Verhandlungen zwischen der Guerillabewegung Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und der kolumbianischen Regierung ist erneut eine bedeutende Vereinbarung erreicht worden. Die Friedensdelegationen beschlossen eine gemeinsame Suche nach Vermissten, die während des innerstaatlichen Konflikts auf unterschiedliche Weise verschwanden. Dies gaben Diplomaten der Garantieländer des Friedensprozesses, Kuba und Norwegen, bekannt.

In Kolumbien gelten nach offiziellen Angaben rund 60.000 Menschen, die im Kontext des bewaffneten Konflikts entführt worden sind, als verschwunden.

Aus dem Abkommen geht hervor, dass bei der "Suche, Lokalisierung, Identifikation und einer würdigen Übergabe von Überresten der Opfer" auf zwei Ebenen gehandelt werden soll. Zum einen werden mit Unterstützung des Roten Kreuzes unverzüglich "humanitäre Maßnahmen" ergriffen. Hierbei verpflichtet sich die Regierung, die Identifizierung der Opfer, die bei Operationen der Sicherheitskräfte getötet wurden, zu beschleunigen. Die Guerilla gibt ihre Informationen über den Verbleib und die Identität von Verschwunden bekannt. Zum anderen soll nach Unterzeichnung des Friedensvertrages eine "Spezialeinheit" geschaffen werden, die mit Hinterbliebenen bei der Suche nach Vermissten zusammenarbeitet.

Der kolumbianische Senator Iván Cepeda erachtet diese Einigung als einen Fortschritt mit großer Tragweite. Es sei ein bedeutender Schritt hin zu glaubwürdigen Bemühungen um Wahrheitsfindung, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung gegenüber den Opfern des seit über 50 Jahrzehnten andauernden Konflikts. Vor allem werde den betroffenen Familien das Gefühl gegeben, sich bei ihrer Suche nach Angehörigen auf die Unterstützung von Institutionen verlassen zu können.

Die Familien der Opfer haben die Vereinbarung sehr positiv aufgenommen. Dies bestätigte  der kolumbianische politische Aktivist Jose Antequera. "Die Familien erkennen die Bemühungen an, ein Thema zu bearbeiten, welches in der Vergangenheit [...] nicht von zentralem Interesse gewesen ist." Den Kampf für die Wahrheit über den Verbleib der Vermissten führten sie bereits seit den 1980er Jahren, allerdings bislang weitestgehend ohne die notwendige nationale oder internationale Unterstützung.

Auch die Vereinten Nationen (UN) beglückwünschten die Delegationen. So erklärte das Büro der UN in Kolumbien, dass damit das Vertrauen der kolumbianischen Bevölkerung in die Friedensgespräche gestärkt werde. Dieser Schritt zeige auch erneut, dass beide Parteien entschlossen seien, die Opfer des Konflikts ins Zentrum ihrer Vereinbarungen zu stellen.

Die jetzt getroffene Vereinbarung geht auf eine Initiative der Farc-Delegation vom vergangenen August zurück.

Die Friedensgespräche, die seit dem 19. November 2012 geführt werden, sollen zu einem Ende des sozialen bewaffneten Konflikts führen, der 220.000 Tote und über fünf Millionen Vertriebene verursacht hat. Norwegen und Kuba fungieren als Garanten, Venezuela und Chile als Begleiter des Friedensprozesses. Am 23. September hatten die Farc und die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos ein Abkommen über die "Schaffung einer Sondergerichtsbarkeit für den Frieden" unterzeichnet. Beide Seiten bewerteten dies als bislang wichtigsten Schritt in den Verhandlungen. Santos und der Oberkommandierende der Guerilla, Timoleón Jiménez, verabredeten bei der Gelegenheit zudem, dass die Verhandlungen bis März 2016 zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden sollen.

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