Bolivien / Wirtschaft

Bolivien schließt Abkommen mit Konzernen in Europa

Thyssenkrupp, Siemens, Thales, Total und British Gas handeln mit Bolivien. Frankreich nimmt Entwicklungszusammenarbeit mit La Paz auf

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Präsident Evo Morales und Präsident François Hollande in Frankreich
Präsident Evo Morales und Präsident François Hollande in Frankreich

Berlin/Paris/La Paz. Im Rahmen seiner Europareise Anfang November hat Boliviens Präsident Evo Morales mehrere Handelsprojekte abgeschlossen. Eines dieser Vorhaben betrifft den Export von 3.600 Tonnen Zinn im Wert von 106 Millionen US-Dollar zwischen 2016 und 2017 nach Deutschland. Bereits vor der Europareise hatte das Bergbauministerium einen Vertrag mit Thyssenkrupp unterschrieben, nach dem das staatliche Metallunternehmen Vinto (EMV) 25 Prozent seiner Zinnproduktion in Form von Barren an die Stahlfirma liefern soll.

Mit Siemens hat Morales die Lieferung von Turbinen für thermoelektrische Anlagen im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar verabredet. Bolivien habe von der direkten Verhandlung mit dem deutschen Technologiekonzern profitiert, sagte Morales. Beispielsweise habe das Land Turbinen mit einer Nennleistung von 700 Megawatt für den Preis der 450-Megawatt-Turbinen erworben. Außerdem haben Morales und seine Delegation in Deutschland und Italien den Zugang zu Hochschulplätzen an der TU-Berlin und der römischen Universität La Sapienza vereinbart.

Ebenso hat Morales Investitionen von Erdölkonzernen, die vor der Europareise bereits in Verhandlung waren, fertig abgewickelt. So soll die multinationale Firma British Gas in diesem Monat mit der Exploration von Erdöl in Bolivien beginnen und dabei 130 Millionen US-Dollar im ersten Jahr im Land investieren. Sollte die Suche nach dem Rohstoff erfolgreich sein, würden sich die Investitionen des britischen Konzerns auf 500 Millionen US-Dollar erhöhen, erklärte Energie-Minister, Alberto Sánchez.

Auch bei seinem Besuch in Frankreich hat Morales einen Vorvertrag mit Total abgeschlossen. Demzufolge würde der französische Mineralölkonzern eine Milliarde US-Dollar in die Exploration von Energierohstoffen einfließen lassen, um Gasreserven von 13 Billionen Kubikfuß bis 2019 zu finden, führte Sánchez aus.

Bei dem französischen Unternehmen für Militärtechnik, Luft- und Raumfahrt, Thales, hat die bolivianische Regierungsdelegation 13 Radargeräte für 185 Millionen US-Dollar gekauft. Sie sollen im Kampf gegen den Drogenhandel eingesetzt werden. Die Kaufvereinbarung haben der Verteidigungsminister Boliviens Remy Ferreira und der Geschäftsführer von Thales, Guy Delevacque, beim Treffen zwischen Morales und dem Präsidenten Hollande im Élysée-Palast unterschrieben.

Darüber hinaus hat das bolivianische Regierungsoberhaupt ein Abkommen mit Frankreichs Präsidenten François Hollande unterzeichnet, das die französische Organisation für  Entwicklungszusammenarbeit, AFD, in Bolivien einführt und Bolivien einen Kredit über 400 Millionen US-Dollar bewilligt. Diese Ressourcen sind für Entwicklungsprojekte zur Grundversorgung und im Gesundheitswesen gedacht.

Bei seiner Rundreise, die vom 2. bis 10. November andauerte, besuchte Morales Deutschland, Italien, Irland und Frankreich. Dabei haben die italienische Hochschule La Sapienza und die französische Universität Pau dem 56-jährigen Präsidenten wegen seines Engagements für die Menschenrechte und die Anerkennung der Indigenen die Ehrendoktorwürde verliehen.

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