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18.11.2015 Kolumbien / Medien / Politik

Gericht bestätigt Freispruch von verfolgtem Journalisten in Kolumbien

Festnahme des Journalisten Pérez Becerra

Festnahme des Journalisten Pérez Becerra

Bogotá. Die Strafkammer des Obersten Gerichtshofes in Kolumbien hat den Freispruch von Joaquin Pérez Becerra, dem Gründer und Redakteur der alternativen Nachrichtenagentur Neues Kolumbien (Anncol), bestätigt. 

Dies sei "das Ende der Inszenierung der Staatsanwaltschaft, um die Presseagentur zum Schweigen zu bringen”, schrieb die Redaktion auf ihrer Internetseite bereits im Jahr 2014 als Joaquin Pérez aus der Haft entlassen worden war. Doch die Staatsanwaltschaft wollte nicht kapitulieren, sie legte Berufung ein – und scheiterte nun erneut. 

Der Gründer und Chefredakteur von Anncol wurde im Jahr 2011 im Flughafen der venezolanischen Hauptstadt Caracas festgenommen und zwei Tage später nach Bogotá deportiert. Laut den damaligen Anschuldigungen der kolumbianischen Staatsanwaltschaft kooperierte Pérez Becerra mit der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) aus dem Ausland. Über die Internetseite Anncol habe die Ideologie der Guerilla in Europa verbreitet werden sollen, hieß es.

Die Beweise für seiner Verhaftung lieferte angeblich ein Computer, der in dem bombardierten Lager des Farc-Kommandanten Raúl Reyes gefunden worden war. Der E-Mail-Austausch zwischen dem Farc-Anführer und dem Journalisten rechtfertigte für die Staatsanwaltschaft die acht Jahre Haft, zu dem er in dem Hochsicherheitsgefängnis La Picota verurteilt worden war. 

Nachdem der Oberste Gerichtshof feststellte, dass diese Beweise die Verbindung zwischen der Guerilla und dem Journalisten nicht hinreichen belegten, wurde er nach drei Jahren Haft entlassen. Die Obersten Richter und die Verteidiger von Pérez Becerra schließen zudem nicht aus, dass die Beweise manipuliert wurden. Seit seiner Freilassung wohnt Pérez Becerra wieder im schwedischen Exil.

Die unabhängige Nachrichtenseite Anncol mit Sitz in Stockholm wurde im Jahr 1996 von exilierten Mitgliedern der Linkspartei Patriotische Union ins Leben gerufen. Die Journalisten berichten aus einer regierungskritischen Perspektive über den bewaffneten Konflikt im Kolumbien.

In seinen Artikeln kritisierte Pérez Becerra vor allem die staatliche Gewalt und thematisierte die Situation politischer Gefangenen in Kolumbien. Daher galt er für die Geheimdienste in Zeiten der Präsidentschaft von Álvaro Uribe Vélez als "Sprecher der Farc in Europa". Aufgrund der vermuteten Sympathie für die Guerilla wurde den Journalisten von Anncol vorgeworfen, zur "europäischen Front" der Farc zu zugehören. Seitdem wird deren journalistische Arbeit in regierungsnahen Medien des südamerikanischen Landes wiederholt diskreditiert.

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