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Straflosigkeit bei sexueller Gewalt in Kolumbien vor internationaler Justiz

Die Frauen sind die Hauptopfer des bewaffneten Konflikts in Kolumbien

Die Frauen sind die Hauptopfer des bewaffneten Konflikts in Kolumbien

Bogotá.  Nach Angaben des Verfassungsgerichtshofes in Kolumbien bleiben 95 Prozent der über 600 Fälle sexueller Gewalt gegen Frauen im Rahmen des bewaffneten Konflikts straflos. Dies erklärte unlängst eine Kommission aus 13 Menschenrechtsorganisationen dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in einem Bericht. Ziel des Menschenrechtsausschusses ist es, zu den laufenden Voruntersuchungen der internationalen Behörde zu Kolumbien beizutragen.

Laut der Kommission untersucht die kolumbianische Staatsanwaltschaft am wenigsten die Taten sexueller Gewalt durch Mitglieder der Sicherheitskräfte. So hätte die Behörde 47 Prozent dieser Fälle und 54 Prozent der Fälle archiviert, bei denen Polizei oder Militär und Paramilitärs zusammen verantwortlich seien. Die Justizbehörde habe 27 Prozent der Anklagen gegen die Nachfolger der Paramilitärs, auch als "kriminelle Banden" bezeichnet, ohne Urteil oder Untersuchung geschlossen. Am aktivsten zeige sich die Staatsanwaltschaft bei den Untersuchungen mutmaßlicher sexueller Straftaten der Guerilla. Dabei werden 22 Prozent der Fälle archiviert.

Generell seien Frauen die Hauptopfer des bewaffneten Konflikts, sagte Carolina Pineda, Vertreterin der Basisorganisation Congreso de los Pueblos anlässlich des internationalen Mobilisierungstages "Keine Gewalt gegen Frauen" am 25 November. Laut offiziellen Registern seien 3,6 der 7,6 Millionen Opfer Frauen. Fast 440.000 davon wurden ermordet, knapp 73.000 verschleppt und sind verschwunden. Außerdem sind etwa 9.900 Frauen Opfer sexueller Gewalt gewesen.

Vor diesem Hintergrund haben rund 5.000 Frauen aus 42 Basisorganisationen am 25. November in Kolumbien in der südwestlichen Stadt Popayán demonstriert, um auf diese Weise ihre Unterstützung für die Friedensverhandlungen in Havanna kundzutun.

Auch in anderen Ländern Lateinamerikas sind Frauen für "Keine Gewalt gegen Frauen" marschiert. Allein im vergangenen Jahr sind dort über 1.600 Frauen ermordet worden. In Mexiko werden sogar jeden Tag sieben Frauen umgebracht.

Es scheine, dass "in dem Maße, wie der neokoloniale Extraktivismus wächst, ebenso der patriarchale Fundamentalismus zunimmt". Beide verbündeten sich und riefen unterschiedliche Formen der Gewalt gegen Frauen hervor, analysiert die peruanische Aktivistin Mar Daza.

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