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Lateinamerika fordert in Paris Klimagerechtigkeit

Evo Morales übergibt Laurent Fabius, dem Präsidenten  der Weltklimakonferenz COP21 und französischen Außenminister, das Manifest des Klimagipfels der Völker

Evo Morales übergibt Laurent Fabius, dem Präsidenten der Weltklimakonferenz COP21 und französischen Außenminister, das Manifest des Klimagipfels der Völker

Paris. Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Paris haben sich die lateinamerikanischen Staaten für die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels und eine verbindliche Verantwortung der Industrienationen ausgesprochen, wenn auch mit unterschiedlichen Forderungen. Lateinamerika ist nur für sieben bis neun Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich, aber verstärkt vom Klimawandel betroffen.

Boliviens Präsident Evo Morales betonte die Verantwortung der kapitalistischen Weltwirtschaft für den Klimawandel. Er stellte das Manifest des Klimagipfels der Völker vor, zu dem im Oktober 8.000 Vertreterinnen und Vertreter von sozialen Bewegungen und Regierungen aus 50 Ländern nach Bolivien gereist waren. "Der Kapitalismus ist die Formel, nach der unsere Spezies zu Grunde geht", so Morales. Die kapitalistischen Regierungen seien in der Pflicht, die Zerstörung der "Pachamama“ (Mutter Erde) zu stoppen.

Unterstützung bekam Morales von seinem ecuadorianischen Amtskollegen Rafael Correa. Er erinnerte daran, dass reiche Länder 38 mal so viel CO2 wie arme Länder ausstoßen. Correa stellte den Begriff der Umweltgerechtigkeit in den Mittelpunkt und forderte die Einrichtung eines Umweltgerichtshofs: "Nichts rechtfertigt, dass es Gerichtshöfe für den Schutz von Investitionen und die Bezahlung von finanziellen Schulden gibt, aber keinen Gerichtshof für Umweltgerechtigkeit und die Begleichung von Umweltschulden." Zugleich verteidigte er das ecuadorianische Modell des Buen Vivir: "Einsparungen in den benachteiligten Ländern sind nur möglich, wenn dort zugleich der Lebensstandard der Bevölkerung steigt."

Auch die Erklärung der linken Staatenallianz Alba stellt klar, dass die Entwicklungsländer Opfer eines Problems seien, das sie nicht verursacht hätten. Daher müssten die historischen Beiträge der industrialisierten Welt zum Klimawandel betrachtet werden und auf den Entwicklungsbedarf der Länder des Südens Rücksicht genommen werden. Der Allianz gehört auch Venezuela als fünftgrößter Erdölproduzent der Welt an.

Der Brics-Staat Brasilien, einer der größten Emittenten der Region, überraschte mit einem der ambitioniertesten Vorschläge. Laut Präsidentin Dilma Rousseff plane man, 37 Prozent der Treibhausgase bis zum Jahr 2025 einzusparen, bis 2030 sogar 43 Prozent.

Argentinien legte inmitten des Regierungswechsels von Kirchner zu Macri einen schwächeren Vorschlag vor. Jedes Land solle die Sektoren, in denen Treibhausgase eingespart werden, selbst festlegen. Ein anderer Argentinier, Papst Franziskus, hatte vor dem Gipfel die Dringlichkeit eines Abkommens betont: Ein Scheitern der Verhandlung wäre "traurig und katastrophal".

Obwohl die lateinamerikanischen Staaten am Verhandlungstisch in Paris relativ kleine Player bleiben, ist das Interesse an einer Einigung groß. Vor allem Mittelamerika und die Karibik sind durch die Erderwärmung betroffen, etwa durch das erhöhte Risiko von Dürren oder Sturmfluten. Der südamerikanische Kontinent beheimatet etwa die Hälfte der globalen Biodiversität und mit dem Amazonasbecken die "Lunge der Welt".

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