Protestmärsche in Mexiko gegen Geschlechtergewalt

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Frauen mit Bannern bei Protestmarsch
Frauen beim Prostestmarsch in Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt. Tausende Frauen und Männer haben am vergangenen Sonntag in Mexiko ein Zeichen gegen die vielschichtige Gewalt an Frauen gesetzt. In der Hauptstadt und in weiteren Städten gingen sie auf die Straßen, um diese stärker werdende Bewegung zu unterstützen.

Der Paseo de la Reforma, zentrale Verkehrsader Mexiko-Stadts, war Hauptschauplatz der Protestaktion. Sie richtete sich gegen die Nötigung von Frauen im Alltag, aber auch gegen extreme Gewaltformen wie das Verschwindenlassen oder Mord. Teilnehmer verliehen ihren Forderungen wie "Nicht eine weniger" oder "Wir wollen uns lebend" auf zahlreichen Bannern Ausdruck. Der Protest verdeutlichte die seit Jahren angespannte Situation für Frauen in Mexiko. Nachteile auf dem Arbeitsmarkt und vor Gerichten sowie die erhöhte weibliche Mordrate sind ein Teil des täglichen Lebens.

Die Märsche in 28 mexikanischen Städten zeigten jedoch auch das Aufflammen einer neuen Bewegung gegen machistische Gewalt, die sich bisher vor allem über die Sozialen Netzwerke artikulierte. Zündstoff lieferten gehäufte Berichte von Frauenmorden und von sexueller Belästigung auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Für Furore sorgte unlängst ein Video, das zeigt, wie die mexikanischen Journalistin Andrea Noel im März auf den Straßen des gehobenen Hauptstadtviertels La Condesa von einem Mann angegriffen wird. Er hob ihren Rock und zog ihre Unterwäsche herunter. Sie kam an das Video einer Überwachungskamera und veröffentlichte es auf Twitter.

Während des friedlichen Zuges in Mexiko-Stadt verliehen Frauen und Männer ihrer großen Empörung über die jüngsten Vorkommnisse Ausdruck. Es brauche Mechanismen gegen den Machismus im Land, heißt es im Manifest eines Frauenkollektivs. Eine "gesellschaftliche Umerziehung" sei dringend von Nöten. Den Männern müsse beigebracht werden, Frauen und Mädchen nicht zu bedrängen, nicht zu schlagen, nicht zu bedrohen, nicht zu missbrauchen und nicht zu töten.

Startpunkt des sechsstündigen Protestmarsches war die Gemeinde Ecatepec, die eine alarmierende Zahl verschwundener Frauen aufweist. Vor gut zwei Monaten hatte dort auch Papst Franziskus auf die Missstände aufmerksam gemacht.

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