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Mutmaßlicher Mörder von Victor Jara wird in USA angeklagt

Wandbild zum Gedenken an Víctor Jara im Barrio Brasil  in Santiago de Chile

Wandbild zum Gedenken an Víctor Jara im Barrio Brasil in Santiago de Chile

Quelle: Rec79
Lizenz: CC by-sa 3.0

Jacksonville, Florida. 43 Jahre nach dem Mord an dem chilenischen Liedermacher und Aktivisten Victor Jara wird der letzte verdächtige Täter jetzt in den USA angeklagt. Der Ex-Militär Pedro Pablo Barrientos Nuñez lebt seit 1989 in Deltona, Florida und besitzt auch die US-Staatsbürgerschaft. Der Prozess gegen ihn wegen Mordes und Folter soll diesen Montag beginnen. Für die Verhandlung sind gut zwei Wochen eingeplant.

In Chile wurde bereits gegen zehn Militärs wegen der Entführung und Ermordung des Liedermachers Anklage erhoben. Im Jahr 2012 erließ die chilenische Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen Barrientos und ersuchte um seine Auslieferung. Diese wurde von den USA nicht genehmigt.

Wie die US-Menschenrechtsorganisation "Zentrum für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht" (CJA) berichtet, wird nun im Namen der Witwe Jaras, Joan Jara, und seiner Kinder Amanda und Manuela, beim Bezirksgericht von Florida in Jacksonville Anklage gegen den Ex-Militär erhoben. 

Dixon Osburn, Leiter des CJA, betonte, es gebe hinreichend Belege, dass Barrientos "derjenige war, der Víctor Jara gefoltert und ermordet hat, oder zumindest zu dessen Ermordung angestiftet und dabei mitgewirkt hat". In jedem Fall müsse er für die Geschehnisse im Stadion zur Verantwortung gezogen werden. Eine entsprechende Klage beim Bezirksgericht von Florida in Jacksonville habe die Organisation bereits im Jahr 2013 eingereicht.

Der Dichter, Musiker und politische Aktivist Victor Jara wurde mit seinem Musikstil "Nueva Cancion" berühmt. Mit seinen folkloristischen Protestliedern über soziale Ungerechtigkeit und Menschenrechte wurde Jara, der Mitglied der Kommunistischen Partei war, bei der armen Landbevölkerung und der Linken sehr beliebt und auch international bekannt. Neben seinen musikalischen Aktivitäten arbeitete er als Theaterregisseur und Dozent.

Fünf Tage nach dem Militärputsch unter Augusto Pinochet gegen die sozialistische Regierung von Präsident Salvador Allende am 11. September 1973 wurde Jara im Hof der Technischen Universität gemeinsam mit Studenten und Dozenten von der Armee gefangen genommen und in das Nationalstadion in Santiago de Chile gebracht. Der Stadion-Komplex wurde als Konzentrationslager für mehr als 40.000 politische Gefangene benutzt.

Am 16. September wurde Jara in einen der Umkleideräume geführt, gefoltert und getötet. Eine Autopsie im Jahre 2009 brachte hervor, dass sein Körper neben Knochenbrüchen 44 Einschüsse aufwies.

Barrientos war damals Leutnant im Regiment "Tejas Verdes", das später in der Geheimpolizei Dina aufging, und einer der Zuständigen für die Bewachung der Gefangenen im Stadion.

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