Chile / Menschenrechte

Ex-Militär aus Chile in den USA wegen Mordes an Victor Jara verurteilt

US-Gericht spricht Familie hohe Entschädigung zu. Musiker war nach Putsch 1973 getötet worden. Skurrile Aussagen von Angeklagtem und Ex-Frau

graffiti_de_victor_jara_a_ciutat_vella_valencia.jpeg

Graffiti "Víctor Jara lebt" im katalanischen Ciutat Vella
Graffiti "Víctor Jara lebt" im katalanischen Ciutat Vella

Orlando, Florida. In den USA ist der ehemalige chilenische Militär Pedro Pablo Barrientos wegen des Mordes an dem Liedermacher und Dramaturgen Víctor Jara zu einer Zahlung von 28 Millionen US-Dollar an dessen Angehörige verurteilt worden. Barrientos war bereits im Juni wegen der Ermordung Jaras nach dem Militärputsch am 11. September 1973 für schuldig befunden worden. Nun setzte ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Florida die Höhe der Entschädigungszahlung fest.

Bei seiner Verteidigung ließ der 67-Jährige Ex-Militär durch seine Anwälte erklären, dass er zum Zeitpunkt des Militärputsches gegen die sozialistische Regierung von Präsident Salvador Allende den Liedermacher gar nicht kannte. Daraus sei ersichtlich, dass er auch von dessen Folter und Mord keine Kenntnis gehabt haben konnte. Víctor Jara war vor dem Putsch einer der bekanntesten Dichter, Musiker und Politaktivist in dem südamerikanischen Land. Als Gründer des Musikstils der "Nueva Canción" (Neues Lied) gehörte er zu den Unterstützern des Wahlkampfes von Präsident Salvador Allende, der mit dem Putsch gestürzt wurde.

In Chile wurde bereits gegen zehn Militärs wegen der Entführung und Ermordung des Liedermachers Anklage erhoben. Fünf Tage nach dem Putsch wurde Jara von Militärs in einen der Umkleideräume des Nationalstadions in Santiago de Chile verschleppt, gefoltert und getötet. Eine Autopsie im Jahre 2009 brachte hervor, dass sein Körper neben Knochenbrüchen 44 Einschüsse aufwies.

Barrientos soll die Schüsse auf Jara abgegeben haben. Im Jahr 2012 erließ die chilenische Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-Militär und ersuchte um seine Auslieferung. Diese wurde von den USA nicht genehmigt. Die US-Menschenrechtsorganisation "Zentrum für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht" (CJA) hatte nun im Namen der Witwe Jaras, Joan Jara, und seinen Kinder Amanda und Manuela beim Bezirksgericht von Florida in Jacksonville Klage gegen den Ex-Militär erhoben.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

Barrientos Ex-Frau, María Castro, sagte in dem Gerichtsverfahren zugunsten von Barrientos aus. In ihrer Aussage gab sie zu Protokoll, sie habe erst 1987, 14 Jahre später, von dem Putsch in Chile erfahren. Von Jaras Tod habe sie erstmals im Jahr 2008 gehört.

In den ersten zwei Wochen der Verhandlung in den USA  hatten mehrere Zeugen, darunter ehemalige Militärs, Barrientos' Rolle als einen der Hauptakteure bei der Folter und dem Mord an Jara bestätigt. Barrientos war damals Leutnant im Regiment "Tejas Verdes", das später in der Geheimpolizei Dina aufging, und einer der Zuständigen für die Bewachung der Gefangenen im Stadion.

Dixon Osburn, Leiter des CJA, betonte, es gebe hinreichend Belege, dass Barrientos "derjenige war, der Víctor Jara gefoltert und ermordet hat, oder zumindest zu dessen Ermordung angestiftet und dabei mitgewirkt hat". In jedem Fall müsse er für die Geschehnisse im Stadion zur Verantwortung gezogen werden. Eine entsprechende Klage beim Bezirksgericht von Florida in Jacksonville habe die Organisation bereits im Jahr 2013 eingereicht.

Der Dichter, Musiker und politische Aktivist Victor Jara wurde mit seinem Musikstil "Nueva Cancion" berühmt. Mit seinen folkloristischen Protestliedern über soziale Ungerechtigkeit und Menschenrechte wurde Jara, der Mitglied der Kommunistischen Partei war, bei der armen Landbevölkerung und der Linken sehr beliebt und auch international bekannt. Neben seinen musikalischen Aktivitäten arbeitete er als Theaterregisseur und Dozent.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr