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Landkonflikte in Brasilien eskalieren

Niedergebrannte Behausung landloser Bauern in Amazonien

Niedergebrannte Behausung landloser Bauern in Amazonien

Palmas, Brasilien. Die brasilianische Landpastorale Comissão Pastoral da Terra (CPT) fordert vom brasilianischen Staat Maßnahmen, um die jüngste Gewaltwelle gegen landlose Bauern einzudämmen. Die Kommission hat im Juli die neuesten Zahlen veröffentlicht. Im ersten Halbjahr 2016 sind demnach bereits 36 Tote bei Landkonflikten zu beklagen. 2015 wurden 50 Menschen bei Konflikten um Land ermordet.

In den vergangenen drei Monaten sind im Amazonas-Bundestaat Tocantins fünf Siedlungen landloser Bauern von bewaffneten Trupps ortsansässiger Großgrundbesitzer angegriffen worden. Der jüngste Fall: Drei schwer bewaffnete Männer drangen am 18. Juli in das Lager "Capela" im Gebiet von Piraquê im Bundestaat Tocantins ein. Die Schützen bedrohten einen 17-jährigen Landbesetzer, zerschossen ihm einen Finger. Ihre Botschaft an die Siedler: Wenn sie weiterhin das Land besetzten, würden sie zurückkehren und alle töten.

Wenige Tage vorher, am 15. Juli, waren, ebenfalls in dem Amazonas-Staat, mehrere landlose Familien von der Miliz der Großgrundbesitzer überrascht worden. Bewaffnete Männer feuerten Schüsse in Richtung der Menschen, brannten ihre Zelte und Behausungen nieder und ließen fünf Bauern gefesselt zurück.

Die brasilianische Landpastorale fordert ein sofortiges Eingreifen staatlicher Behörden, etwa dem INCRA, dem Staatlichen Institut für Bodenreformen sowie dem Staatlichen Kommissariat für die Behebung von Landkonflikten, der "Delegacia Estadual de Repressão a Conflitos Agrários" (Derca).

Unterdessen wandte sich der landesweite Sprecher der brasilianischen Landlosen-Bewegung (MST), Joao Pedro Stédile, mit einer Warnung an die De-facto Regierung von Präsident Michel Temer und ausländische Investoren. Falls die Regierung ihr Vorhaben umsetze, brasilianischen Boden in Zukunft auch an Ausländer zu verkaufen, werde die Bewegung mit Besetzungen antworten. Stedile reagierte damit auf Medienberichte, laut denen Temer den Zugang zu Land für Ausländer "erleichtern" wolle. Dafür müsste eine Gesetz aus dem Jahr 2010 geändert werden, das die Veräußerung von Land an ausländische Personen oder Firmen verbietet. "Wagt es nicht, hier Ländereien zu kaufen, denn wir werden jedes Stück Boden besetzen, das an ausländische Käufer geht", so der MST-Aktivist.

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