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Proteste in Mexiko gegen Straflosigkeit am Jahrestag von Studentenmassaker

Demonstration gegen Straflosigkeit am Jahrestag des Tlatelolco-Massakers

Demonstration gegen Straflosigkeit am Jahrestag des Tlatelolco-Massakers

Mexiko-Stadt. Am 2. Oktober haben tausende Menschen zum 48. Jahrestag des Massakers von Tlatelolco demonstriert. In einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Mexikos hatten an diesem Tag im Jahr 1968 Soldaten und Paramilitärs das Feuer auf eine Studentendemonstration auf dem Platz der drei Kulturen im Stadtteil Tlatelolco der mexikanischen Hauptstadt eröffnet. Die genaue Opferzahl ist bis heute umstritten, die Angaben reichen von 200 bis über 500 Tote.

Die Niederschlagung der Studentenbewegung erfolgte kurz vor Eröffnung der Olympischen Spiele. Bis heute wurde dafür niemand zur Verantwortung gezogen. Félix Hernández Gamundi, Mitorganisator der damaligen Proteste, erinnerte am vergangenen Sonntag bei der Abschlusskundgebung daran, dass es sich bei den Demonstrierenden um eine landesweite Bewegung gehandelt habe, die für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit eintrat. Anstatt den Dialog zu suchen, habe das Kabinett des damaligen Präsidenten Gustavo Díaz Ordaz auf eiskalt geplante Repression gesetzt, sagte der Zeitzeuge laut einem Bericht der Tageszeitung La Jornada. "Mit vereinten Kräfte von Polizei und Militär verübten sie ein Verbrechen gegen die Menschhei", so Hernández.

Jedes Jahr fordern Demonstranten an diesem Tag Aufklärung der Geschehnisse und Gerechtigkeit für die Opfer. Die Demonstranten – nach Angaben der Organisatoren waren es 10.000, laut Polizei halb so viele – sprachen sich jetzt gleichzeitig für ein Ende der Straflosigkeit in einem anderen Fall aus: jenem der 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa. Diese wurden Ende September 2014 in Iguala im Bundesstaat Guerrero von Polizisten verschleppt, zwei Jahre später ist ihr Verbleib unbekannt. Die offizielle Version der Regierung, die 43 jungen Männer seien Opfer eines Drogenkartells und in einer Müllkippe verbrannt worden, hat sich als nicht haltbar erwiesen. Der Sprecher der Eltern der verschwundenen Lehramtsstudenten forderte laut La Jornada unter anderem den Rücktritt von Präsident Enrique Peña Nieto. Im anschließenden Interview mit der Zeitung erklärte er, die Eltern der 43 Verschwundenen müssten heute dasselbe erleiden wie die Mütter und Väter der getöteten Studenten 1968.

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