Mexiko / Menschenrechte

Schon 100 Geheimgräber in mexikanischer Hafenstadt Veracruz gefunden

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"Sie fehlen uns alle". Plakat mit Bildern von Verschwundenen. In Mexiko gelten derzeit nach offiziellen Angaben 27.887 Personen als "nicht auffindbar"
"Sie fehlen uns alle". Plakat mit Bildern von Verschwundenen. In Mexiko gelten derzeit nach offiziellen Angaben 27.887 Personen als "nicht auffindbar"

Veracruz. Nach dem Aufdecken weiterer sechs geheimer Gräber durch die Gruppe "Colectivo Solecito" (Kollektiv Kleine Sonne) sind auf dem Areal Colinas de Santa Fe im Norden der Hafenstadt Veracruz inzwischen 100 Gruben mit Knochenresten offengelegt worden. Die Suche des Kollektivs, in dem überwiegend Familienangehörige Verschwundener aktiv sind, begann Anfang August. Bislang sind nicht einmal zehn Prozent des Geländes untersucht. Die Gruppe hat angekündigt, mit der systematischen Suche fortzufahren, bis das gesamte Grundstück erkundet ist.

Derweil kommen die Untersuchungen der sterblichen Überreste von staatlicher Seite aufgrund Personalmangels und wohl auch fehlendem politischen Willen nicht nach. Bisher hat die Analyse von Knochenresten aus 27 Gräbern ergeben, dass ein Teil mindestens 62 verschiedenen Schädeln zuzuordnen ist.

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Der Horror im Bundesstaat Veracruz geht unterdessen weiter. Am 29. September verschwanden am Rand der von den Städten Veracruz und Boca del Río gebildeten metropolitanen Region drei junge Leute. Eine gute Woche später wurden die zerstückelten Leichen der Studentin Deyanira Urritia, sowie der Universitätsabsolventen Leobardo Arroyo und Octavio García 70 Kilometer entfernt vom vermutlichen Tatort aufgefunden. An vielen Tagen sind die Mordzahlen in Veracruz zweistellig. Das Kollektiv Kleine Sonne fragt öffentlich: "Wie viele Leben mehr sind nötig, damit die zuständigen Sicherheits- und Justizbehörden etwas unternehmen, so viel Gewalt und Unsicherheit zu stoppen?"

Javier Duarte, der Gouverneur von Veracruz, gab die Antwort auf seine Weise. Er ließ sich am 12. Oktober sechs Wochen vor dem offiziellen Ende seiner Amtszeit von der Abgeordnetenmehrheit im Lokalparlament freistellen. Duarte, der von vielen als Hauptverantwortlicher für die desolate Menschenrechtssituation, die zahlreichen Journalistenmorde und das ungehinderte Agieren der Drogenkartelle in Veracruz verantwortlich gemacht wird, hat angekündigt, seinen Namen "reinwaschen" zu wollen. Der Analyst der mexikanischen Zeitung La Jornada, Analyst Julio Hernández López, weist auf ein möglicherweise abgekartetes Spiel mit der Regierungspartei PRI hin, die Duarte vor wenigen Tagen seiner Parteirechte enhob. Während die PRI sich als Kämpferin gegen Korruption und Unrecht darstellen könne, habe Duarte Zeit, sich juristisch gegen mögliche Anklagen vorzubereiten. Bittere Kommentare und Karikaturen ließen ebenfalls nicht auf sich warten. Ihr Tenor: Während die Opfer in Veracruz in geheimen Gräbern verschwinden, verschwinde nun der Gouverneur – in die Straffreiheit.

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